Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 158
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am besten dargestellt hat. Von den Blutgefäfsen der Linsenkapsel sah ich nie Zweige
zur Pupillarmembran treten, und ich glaube, dafs diejenigen, welche solche annehmen,
wie Hunter, Wrisberg, Walter, Meckel durch das nahe Aneiuanderliegen dieser Haut
und der vorderen Wand der Linsenkapsel, welche ihre Gefäfse aus jenem circulus
arteriosus erhält, den wir in dem vorhergehenden Kapitel beschrieben haben, getäuscht
worden sind. — Die Gefäfse der membrana papillaris fliefsen in der Mitte des Sehlochs
in einander durch ihre Netze über, ohne hier, wie diefs Einige behauptet haben, einen
freien Raum zwischen sich zu lassen. Nur in Augen, in denen diese Membran dem
Schwinden nahe war, sah ich einigemal im Centrum eine gefäfslose Stelle; in den
früheren Zeiten aber findet man bei glücklicher Injection oder wenn die Gefäfse sehr
mit Blut angefüllt sind, nie einen solchen Raum.

Die Sehlochshaut schwindet, der Angabe der meisten Beobachter zufolge, im tten
oder 8ten Monat, so dafs man im 9ten gewöhnlich nur einzelne frei vom Rande der
Pupille herabhängende Flocken als Spuren von ihr findet. Portal glaubt, dafs sie in
der Regel erst bei der Geburt, oder einige Zeit nachher, durch die Zusammenziehung
der Augenmuskeln oder die reichliche Absonderung der wässerigen Feuchtigkeit zerreifse.
Auch nach Jacob's Untersuchungen schwindet die Pupillarmembran nicht schon im 7ten
Monat, sondern bleibt bis gegen die Geburt oder noch etwas nach derselben. Im 8ten
und 9ten Monat verliert sie nur ihre Gefäfse, wird durchsichtig und immer dünner,
bis sie zuletzt gänzlich absorbirt wird; einzelne Gefäfse aber sah er in den Augen von
Neugebornen durch die Pupille laufen. Diese Beobachtungen bestätigten Tiedemann und
Retzius; auch ich sah öfters in den Augen von Neugebornen noch einige Gefäfszweige
im Sehloch und Reste der Pupillarmembran. Einmal fand ich in den beiden Augen
eines ausgetragenen Kindes diese Haut, mit Ausnahme eines kleinen Punktes im Cen-
trum, noch vollständig und reich an Gefäfsen. — Ihre abnorme Fortdauer nach der
Geburt sahen mehrere Beobachter, welche man in Schön's Handbuch der pathologischen
Anatomie des Auges aufgeführt findet.

So lang die Haut der Pupille besteht, bilden die Blendungsgefäfse keinen voll-
ständigen inneren Kreis, sondern es vereinigen sich nur einzelne Stämmchen durch Bögen
mit einander, ohne einen geschlossenen Gefäfskranz zu erzeugen. Haller , Wrisberg
Zinn, welche einen inneren Kreis der Iris während der Existenz jener Membran an-
nahmen, haben eben so Unrecht, als Blumenbach, J. Cloouet und Meckel, die glaubten,
dafs er sich erst nach der Zerreifsung der membrana pupillaris bilde; denn der innere
Pulsaderkreis ist zum Theil, aber nicht vollkommen vorhanden, bevor die Gefäfse in
der Pupille erlöschen. — Nach der Ansicht der letztgenannten Männer verschwindet
die membrana pupillaris in der Art, dafs die Gefäfse unverletzt bleiben, sich verkleinern
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