Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 159
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Und sich zuletzt an den inneren Rand der Blendung zurückziehen. Jacob's, Tiedemaito's
und eigene Beobachtungen über die Existenz einzelner Gefäfse in der Haut des Sehlochs
und deren Verhalten bestimmen mich zur Annahme, dafs die Gefäfse dieser Membran
sich nicht zurückziehen , sondern obliterieren, gleich wie die Nabelgefäfse und andere
Theile des Gefäfssystems. Dadurch leidet der seröse Theil der Sehlochshaut in seiner
Ernährung, wird sehr dünn und zerreifst, so dafs man in den Augen vom ausgetragenen
Fötus oder noch beim neugebornen Kinde die zarten und sehr durchsichtigen Reste in
der Pupille am freien Rande der Iris vorfindet, welche höchst wahrscheinlich durch die
wässerige Feuchtigkeit aufgesogen werden. Diejenigen Gefäfse, welche bisher der
Pupillarmembran angehörten, bilden jetzt, nach deren Verschwinden, durch Anastomosen
mit den übrigen Blendungsgefäfsen einen vollständigen inneren Pulsaderkreis.

Die Bildungsgeschichte des Auges im ungebornen Kinde ist vollendet mit dem
Verschwinden der Pupillarmembran und der Ablösung der Augenliedränder. Beides
geschieht gleichzeitig sowohl beim Menschen als bei Säugethieren, bei welchen sich
jene so lange erhält, als die Augenlieder geschlossen bleiben; denn bei sehendgebornen
Thieren verschwindet sie früher als bei blindgebornen. Das Erlöschen der Sehlochshaut
hat seinen nächsten Grund in der Reife des menschlichen Fötus; erfolgt die Geburt
früher als in der Regel, so wirkt diese begünstigend auf das frühzeitigere Verschwinden
derselben, gleich wie gewisse Gefäfse alsbald obliteriren, wenn auch das Kind in dem
Tten Monat mit der Aufsenwelt in Verbindung gesetzt wird.
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