Arnold, Friedrich  ; Tiedemann, Friedrich   [Gefeierte Pers.]
Zur Physiologie der Galle: Denkschrift zur fünfzigjährigen Jubel-Feier des Dr. Friedrich Tiedemann im Namen der medicinischen Facultät der Universität Heidelberg — Mannheim, 1854

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Zu den vielen werlhvollen Ergebnissen, die Sie im Verein mit Leopold
Gmelin aus dem Schachte der Wissenschaft zu Tage gefördert, gehört die
Darlegung der Bedeutung der Galle für die Vorgänge im Nahrungsschlauch.
Die Lehren der Physiologen über diesen Gegenstand konnten von Urnen noch
im Jahre 1827 mit Grund als blosse Vermuthungen, die des Beweises durch
Versuche und Beobachtungen ermangeln, bezeichnet werden. Die Wirkung der
Galle auf die in den Darmkanal gelangenden Stoffe war einer der dunkelsten
Punkte in der Lehre von der Verdauung, bis Sie, im Verein mit L. Gmelin, auf
dem Wege des Experiments dieselbe zu ermitteln begannen und die Ergebnisse
Ihrer gemeinsamen Forschungen in dem an Thalsachen reichen Werke über die
Verdauung') niederlegten.

Der Weg, den Sie einschlugen, bestand in der Unterbindung des gemein-
samen Gallengangs bei Thieren, um dann die Kolgen des dadurch verhinderten
Gallenergusses in den Darmkanal zu ermitteln. Denselben Weg betrat nur wenige
Jahre früher Brodie*), der sich jedoch durch seine Versuche zu der irrigen
Behauptung bestimmen Hess, dass ohne die Mitwirkung der Galle kein Chylus
gebildet werde. Brodie hielt nämlich die durchsichtige, nicht milchig gefärbte
Flüssigkeit in den Milchgefässen nach Unterbindung des gemeinsamen Gallengangs
bei jungen Katzen nicht für Chylus, indem er übersah, dass der Mangel der
milchigen Farbe dieser Flüssigkeit nur ein Zeichen für den Mangel oder die
geringe Menge des im Chylus suspendirten Fettes ist.

') Die Verdauung nach Versuchen. Heidelberg u. Leipzig, 1827. Bd. II. S. 1.
2) Quart. Journal of Science and the arts 1823. Jan. p. 341.

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