Arnold, Friedrich  ; Tiedemann, Friedrich   [Gefeierte Pers.]
Zur Physiologie der Galle: Denkschrift zur fünfzigjährigen Jubel-Feier des Dr. Friedrich Tiedemann im Namen der medicinischen Facultät der Universität Heidelberg — Mannheim, 1854

Seite: 4
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Bidder und Schmidt hauptsächlich auf folgende Beobachtungen: 1) Die Menge
der täglich ausgeschiedenen Galle beträgt nach ihnen beim Hund y50 des Körper-
gewichts, die der festen Theile der Galle ]/300 der festen Korpermasse.
2) Nicht bloss das Wasser, sondern auch die festen Bestandtheile dieser Flüssig-
keit werden, da nur ein kleiner Theil des festen Fäcalrückstandes Spuren von
Gallenbestandtheilen enthalte, dem bei Weitein grössten Theil nach CVs) vom
Darmkanal aus resorbirt, treten in's Blut über, erleiden weitere Metamorphosen,
und werden auf anderen Wegen schliesslich aus dem Körper entfernt. 3) An
der Verdauung der Albuminate und des Amylons nimmt die Galle keinen Antheil,
dagegen unterstützt sie bei ihrem Durchgang durch den Darmkanal wesentlich
die Aufnahme und die Verdauung der fetten Stoffe in der Nahrung, so dass bei
mangelnder Einwirkung der Galle der bei Weitem grösste Theil des genossenen
Fettes unbenutzt bleibt und mit den Fäces nach aussen geführt wird. — Die
Galle erfüllt zufolge der Ansicht von Bidder und Schmidt nach ihrem Erguss in
den Darm nicht nur eine wichtige, obgleich nicht unersetzliche Aufgabe, sondern
sie übernimmt, nachdem sie vom Darmrohr resorbirt und in die Blulmasse zurück-
geführt wurde, durch ihre ansehnliche Menge, ihren beträchtlichen Gehalt an
festen Theilen eine hervorragende Rolle in dem Wechsel der den Organismus
durchkreisenden Flüssigkeiten, so wie in dem inneren Wechsel seiner festen
Materie. Sie soll die Metamorphosenreihe, welche der thierische Stoff innerhalb
des Organismus zu durchlaufen vermag, verlängern und ihn dadurch zu einer
dauernderen Wirksamkeit für die Lebensprocesse befähigen; sie bildet den Weg,
auf welchem durch einen geringen Verbrauch der Nahrungsmittel und der Materie
des Organismus selbst die zum Bewirken der Lebenserscheinungen erforderlichen
Umwandlungen des Stoffes doch möglich werden. Hierin liegt nach Bidder und
Schmidt die Hauptaufgabe der Galle für den thierischen Organismus.

Um diese sehr plausible Ansicht über das Verhältniss der Galle zur Stoff-
metamorphose im Organismus zu prüfen, ist vor allen Dingen nothwendig zu
untersuchen, ob die Grösse des Lebersecrets im Verhältniss zum Körpergewicht
so beträchtlich ist, wie Bidder und Schmidt angeben, da aus der Menge der
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