Arnold, Friedrich  ; Tiedemann, Friedrich   [Gefeierte Pers.]
Zur Physiologie der Galle: Denkschrift zur fünfzigjährigen Jubel-Feier des Dr. Friedrich Tiedemann im Namen der medicinischen Facultät der Universität Heidelberg — Mannheim, 1854

Seite: 5
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Galle nicht bloss der Umfang bestimmt werden kann, in dem die festen Stoffe des
Korpers in die Umwandlung durch die Galle eintreten, sondern auch, im Falle
sie wieder resorbirt und in die Blulmasse zurückgeführt wird, der Anlheil sich
ermessen lässt, den sie an dem inneren Wechsel der Materien durch ihren Gehalt
an Wasser und festen Theilen nimmt. Ist diese Bestimmung geschehen, dann
muss naturlich ermittelt werden, ob die Galle dem bei Weitem grössten Theile
nach resorbirt wird, welche Umwandlungen sie nach ihrer Rückkehr in's Blut
erleidet, welche Körperbestandtheile das Material zur Gallenbildung ergeben, und
auf welchem Wege und in welcher Form die in's Blut zurückgekehrten Gallenstoffe
aus dem Organismus entfernt werden.

Die Aufgabe, die ich mir zunächst setzte, ist die Gallenmenge, welche
stündlich und täglich abgesondert wird, genau zu bestimmen, und zwar nicht
bloss im Verhultniss zum Körpergewicht, sondern auch im Verhällniss zur Menge
und zur Art der Nahrung. Es versteht sich von selbst, dass auch andere dabei
sich ergebende Erscheinungen und Veränderungen, die der verhinderte Abfluss
der Galle in den Darm und die directe Ableitung nach aussen zur Folge hatten,
berücksichtigt wurden.

Zur genauen Ermittlung der während einer bestimmten Zeit abgesonderten
Gallenmenge wird eine Vorrichtung erfordert, mittelst der man bei den mit
bleibenden Gallenblasenfisteln versehenen Thieren die Galle zu jeder Zeit bequem
aulfangen und ablassen kann. — Blondlot erweiterte, um die Menge der binnen
24 Stunden secernirten Galle bestimmen zu können, die Fistelöffnung und führte
eine kleine, enge Canüle mit doppelter Randleiste in dieselbe ein. Nach einigen
Tagen war zwar die Canüle vollkommen fixirl; allein die Galle floss, wenn die
Oeffnung der Canüle mit einem Stöpsel verschlossen wurde, zwischen der Canüle
und den Weichtheilen aus, so dass Blondlot ausser Stand war, eine genaue
Bestimmung der Gallenmenge vorzunehmen. Bidder und Schmidt, welche die
zahlreichsten Versuche über die Gallenmenge anstellten, schlugen einen doppelten
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