Arnold, Friedrich  ; Tiedemann, Friedrich   [Gefeierte Pers.]
Zur Physiologie der Galle: Denkschrift zur fünfzigjährigen Jubel-Feier des Dr. Friedrich Tiedemann im Namen der medicinischen Facultät der Universität Heidelberg — Mannheim, 1854

Seite: 6
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Weg ein: erstens nämlich legten sie bei Hunden und Katzen eine Gallenblasen-
fistel an, welche sie nur einige Q2—3) Stunden benutzten, indem sie die Galle
von Viertelstunde zu Viertelstunde mittelst einer Canüle, die sie in die Fistel-
Öffnung führten, auffingen, und nach den in den einzelnen Viertelstunden kürzere
und längere Zeit nach der letzten Nahrungsaufnahme gewonnenen Mengen die
Quantität bestimmten, welche in 24 Stunden abgesondert wird. Zweitens legten
sie bei Thieren bleibende Gallenblasenfisteln an, und fingen bei diesen die Galle
mehrere Wochen hindurch täglich einige und mehrere Viertelstunden in verschie-
denen Zeiten nach der Fütterung ebenfalls mittelst einer in die Fistelöffnung
eingeführten Canüle auf. — Abgesehen davon, dass, um auf diesem Wege die
Menge der stündlich und täglich abgesonderten Galle zu bestimmen, viele Thiere
geopfert und bei bleibenden Gallenblasenfisteln zahlreiche einzelne Experimente
angestellt werden müssen, ist diese Methode nach meinem Dafürhalten nicht
geeignet, ein sicheres Ergebniss über den Gang dieser Secretion nach Stunden
und Tagen, nach Nahrung und Getränk und anderen Verhältnissen des Organismus
zu gewinnen, weil ohne Zweifel die Gallensecretion gleich der Harnsecretion
nicht bloss bei verschiedenen Individuen nach Alter, Volumen, Fettreichthum und
anderen Verhältnissen, sondern auch bei demselben Individuum an verschiedenen
Tagen Differenzen in der Menge bietet, die auf diesem Wege sich nicht ermitteln
lassen, und die auch sehr leicht zu falschen Schlüssen in Betreff der Menge in
einer längeren Zeit, wie in 24 Stunden, führen. — H. Nasse fing an dem
Hunde, an dem er eine Gallenblasenfistel anlegte, die Galle in einem eigenen
Apparate auf. Derselbe bestand aus einem Panzer von Eisenblech, in welchem
sich eine mit einem Deckel verschlossene und unter der Fistelöffnung genau
angelegte Kapsel befand. Letztere wurde mit feuchten Schwämmen gefüllt, die
er zweimal täglich wechselte und deren Wassermenge genau bestimmt wurde.
In einem anderen Apparate wurde die Galle mit noch nicht gebrauchten Schwämmen
aufgefangen und durch einen der Fistel angelegten Trichter in ein Gefäss abge-
leitet, aus dem kaum ein Tropfen abfliessen konnte, selbst wenn der Hund
sprang oder zu Boden lag. Beide Apparate wendete Nasse abwechselnd an.
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