Arnold, Friedrich  ; Tiedemann, Friedrich   [Gefeierte Pers.]
Zur Physiologie der Galle: Denkschrift zur fünfzigjährigen Jubel-Feier des Dr. Friedrich Tiedemann im Namen der medicinischen Facultät der Universität Heidelberg — Mannheim, 1854

Seite: 8
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Der Schlauch, den ich zum Auffangen der Galle wählte, hatte eine Länge
von 10 Ctm. und eine Weite von i Ctm. (Siehe die nebenstehenden Figuren)

Bei der Anlegung einer Gallenblasenfistel hat man vor Allem zu berück-
sichtigen, dass erstens die Gallenblase durch einen Einschnitt, den man in den
Fundus derselben macht, vor dem Schlüsse der Unterleibsvvunde vollständig
entleert wird, dass man zweitens die Verengerung und Schliessung der Fistel-
öffnung verhindert, und dass drittens die Galle stets einen ungehinderten Abfluss
hat. Gleich Bidder und Schmidt habe ich mich durch mehrere Versuche, die
ich seit 3 Jahren anstellte, überzeugt, dass wenn die Gallenblase nicht während
der Operation eröffnet wird, die Thiere in Folge einer Peritonitis am 2. bis
5. Tage unterliegen, sie aber diese Operation meistens überdauern, wenn die
Gallenblase sogleich entleert wird und die Galle dann ungehindert abfliessen kann.
Der Neigung der Fistelöffnung, sich zu verengern und zu schliessen, suchten
Bidder und Schmidt durch wiederholtes Einführen einer Canüle oder Bougie zu
begegnen, Nasse war genöthigt, die Fistelöffnung öfters zu erweitern. Solche
operative Eingriffe sind aber, wie ich mich überzeugte, immer von nachtheiligen
Folgen auf das Betinden des Thieres. Es ist daher weit zweckmässiger, eine
Canüle so anzubringen, dass sie fortan in der Fistelöffnung liegen bleibt. Für
den ungehinderten Abfluss der Galle ist es von Wichtigkeit, die Fistelöffnung
nicht zu klein zu machen und der Canüle, die man einführt, kein zu geringes
Lumen zu geben. Die Methode von Bidder und Schmidt, der zufolge für die
ersten Tage eine 3/i'" im Durchmesser haltende und {"' lange cylindrische Röhre,
deren äusseres Ende mit einer biscuitförmigen Platte, und deren inneres Ende
mit einem wallartigen Rande versehen ist, in die Gallenblase eingeführt und durch
eine Ligatur befestigt wird, habe ich bei einem Versuche, den ich im Sommer
1853 anstellte, nicht geeignet gefunden. Das Röhrchen zeigte sich zu kurz und
zu eng; es fiel schon am zweiten Tage in Folge des Druckes der angeschwollenen
Wundränder heraus und hinterliess eine kleine Fistelöffnung, die sich, obgleich
öfters eine Sonde eingeführt wurde, schon am 5. Tage in Folge der starken
Granulationen an der Wunde so sehr verengerte, dass weder Galle abfloss, noch
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