Arnold, Friedrich  ; Tiedemann, Friedrich   [Gefeierte Pers.]
Zur Physiologie der Galle: Denkschrift zur fünfzigjährigen Jubel-Feier des Dr. Friedrich Tiedemann im Namen der medicinischen Facultät der Universität Heidelberg — Mannheim, 1854

Seite: 10
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arnold1854/0020
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
10

der Weg zur Gallenblase beim wiederholten Sondiren wieder aufgefunden werden
konnte. Bei der Tödtung des Thieres fand ich den gemeinsamen Gallengang
wiederhergestellt. — Von welchem Werthe es ist, durch eine nicht zu enge
Röhre die Galle abfliessen zu lassen, davon überzeugte ich mich bei dem Ver-
suche, von dem ich nachher berichten werde. Ich legte dem Hunde eine Canüle
in die Fistelöffnung, welche 3 Mm. im Lichten hatte. Die Galle floss während
zwei Monate ungehindert ab. Eines Tages aber bemerkte man, dass die Galle
statt durch die Canüle sich neben derselben ergoss, und dass die Weichtheile;
welche die Canüle bisher fest umschlossen, ausgedehnt waren. Beim Soudiren
ergab sich, dass die Canüle in ihrem inneren Abschnitt mit eingedickter Galle
erfüllt und durch diese verstopft war. Die Canüle wurde wieder wegsam
gemacht, allein der gehinderte Ablluss, welcher nur einen Tag dauerte, hatte,
wie die später angestellte Section bewies, eine Erweiterung und theilweise
Wiederherstellung des gemeinsamen Gallengangs zur Folge. Es ist nach meinen
Erfahrungen jedenfalls nicht unwichtig, eine Canüle von nicht zu geringem Durch-
messer zu wählen und diese an ihrem inneren Abschnitte mit mehreren weilen
Löchern zu versehen, damit die Galle ganz ungehindert abfliessen kann.

Da bis jetzt nur von Wenigen Mittheilungen über die an mit Gallenblasen-
fisteln versehenen Thieren gewonnenen Ergebnisse gemacht wurden, und da ich
an dem Hunde, dem ich im Sommer 1853 eine Gallenblasenfistel anlegte, während
einiger Monate mehrere Beobachtungen, die mir der Berücksichtigung werth
scheinen, zu machen Gelegenheit hatte; so theile ich den Versuch und die
Beobachtungen mit, obgleich ich durch den schon 10 Wochen nach der Anlegung
der Fistel zufällig eingetretenen Tod des Thieres ausser Stand gesetzt wurde,
meine Beobachtungen in der Zahl und in der Ausdehnung anzustellen, wie ich
diess beabsichtigte.

Am 18. Juni 1853, 10 Uhr des Morgens, legte ich einem kräftigen,
guigenährten, schwarzen, kurzhärigen, ausgewachsenen Hunde von mittlerer
loading ...