Arnold, Friedrich  ; Tiedemann, Friedrich   [Gefeierte Pers.]
Zur Physiologie der Galle: Denkschrift zur fünfzigjährigen Jubel-Feier des Dr. Friedrich Tiedemann im Namen der medicinischen Facultät der Universität Heidelberg — Mannheim, 1854

Seite: 11
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Grösse und 9,250 Kilogr. Gewicht, der seit 24 Stunden keine Nahrung erhallen

hatte, eine Gallenblasenfistel an. Es wurde zuerst ein Schnitt von 5 Ctm. Länge,

vom Schwertfortsatze beginnend, durch die weisse Linie bis auf das Bauchfell

gemacht, hierauf das Bauchfell in der Nähe des Schwertforlsalzes eröffnet, nach

diesem der hakenförmig gekrümmte Zeigefinger in der Bauchhöhle längs der

vordem Magenfläche bis zum Duodenum geführt, dieses aus der Bauchhöhle

hervorgezogen und so gelegt, dass der convexe Band gegen die linke Seite des

Thieres gerichtet war. Alsdann wurde der gemeinsame Gallengang, der sich

am oberen Bande des Pankreas durch den Bauchfellüberzug sogleich zu

erkennen gab, blossgelegt, isolirt und doppelt unterbunden, nämlich erstens dicht

am Darme und zweitens %" vom Darme entfernt; das zwischen beiden

Ligaluren befindliche Stück des gemeinsamen Gallengangs wurde ausgeschnitten,

und hierauf wurden die vorgezogenen Theile wieder in die Bauchhöhle

zurückgebracht. Nach diesem ersten Akte der Operation, welcher keine

besonderen Schwierigkeiten setzte, und den ich, wenn sich das Thier ruhig

verhielt, immer in wenigen Minuten vollbrachte, wurde die Gallenblase

aufgesucht, der Grund derselben mittelst einer starken Schliessungspincette

gefasst, ein slarker gewichster Faden um die gefasste, etwa 8 Mm. lange

Blasenportion gelegt, der Grund der Blase etwas hervorgezogen und eingeschnitten

und die strotzend mit Galle gefüllte Blase vollständig entleert. Der Grund der

Blase wurde nach dem Abfiuss der Galle mit einigen Heften sowohl rechts wie

links an die vordere Bauchwand befestigt, eine Canüle von 15 Mm. Länge,

2 Mm. Weile mit doppelter Bandleiste in die Blase eingeführt und die

Bauchwunde zuletzt geschlossen. Das Aufsuchen des Gallenblasengrundes ist bei

manchen Hunden sehr leicht, bei anderen aber wegen der versteckten Lage

zwischen den Leberlappen etwas schwieriger. Einige Mal sah ich die Blase

sogleich nach Eröffnung der Bauchhöhle hinter und etwas über der Spitze des

Scbwertforlsatzes; öfters aber traf ich sie etwas rechts von der weissen Linie

und zwischen den Leberlappen versteckt. Beim Vorziehen des Blasengrundes

darf man keine grosse Gewalt anwenden, weil eine solche mechanische

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