Arnold, Friedrich  ; Tiedemann, Friedrich   [Gefeierte Pers.]
Zur Physiologie der Galle: Denkschrift zur fünfzigjährigen Jubel-Feier des Dr. Friedrich Tiedemann im Namen der medicinischen Facultät der Universität Heidelberg — Mannheim, 1854

Seite: 21
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arnold1854/0031
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
21

machten, nahmen nach Anlegung der Gallenblasenfislel unaufhallsam in ihrem
Körpergewichte ab; sie wurden mager, kraftlos, verloren die Ilaare in grosser
Menge und boten in den letzten Tagen alle Erscheinungen eines allgemeinen
Marasmus. Die zwei anderen Hunde aber erhielten sich nach der Operation auf
ihrem Körpergewichte und bei ungetrübtem Wohlbefinden; die Ableitung der
Galle vom Darmkanal wurde ohne erheblichen Nachtheil erlragen, die Thiere
verzehrten eine ihr gewöhnliches Bedürfniss weit übersteigende Nahrungsmenge,
die Fettmenge nahm ab, die Thiere wurden mager, die Masse der Muskeln
dagegen zeigte sich unvermindert, die Bewegungen waren kräftig. Der eine
dieser Hunde wurde 8 Wochen nach der Operation getödtet; die anatomische
Untersuchung wies die Verschliessung des gemeinsamen Gallengangs nach. Bei
dem anderen Hunde stellte sich derselbe in der dritten Woche wieder her.
Bidder und Schmidt wiesen nach, dass jene beiden Hunde nicht in Folge der
Ableitung der Galle vom Darmkanal, sondern wegen unvollständiger Deckung der
Ausgaben, durch die zu geringe Nahrungsmenge, welche sie zu sich nahmen,
zu Grunde gegangen sind.

Der von mir operirte Hund nahm in den ersten 18 Tagen nach Anlegung
der Fistel, in welcher Zeit er mit Brod, Milch und Fleisch reichlich gefüttert
wurde, um 375 Gram, ab, hierauf sank sein Körpergewicht binnen 3 Tagen,
während deren er täglich 500 Gram. Fleisch zu sich nahm, um 1,125 Klgr.,
erhielt sich dann während 24 Tagen auf seinem Gewichte von 7,750 Klgr. bei
750 Gram. Fleisch täglich, und nahm zuletzt bei der Fütterung mit 470 Gr.
Brod um 250 Gr. zu. Während der FTeischfütterung fielen ihm die Haare in
grosser Menge aus, während der Brodfülterung bekam er wiederum neue Haare.

Gestützt auf diese Beobachtungen dürfen wir annehmen, dass das Einströmen
der Galle in den Darmkanal nur bedingungsweise als ein zur Erhaltung des
Lebens nothwendiger Vorgang betrachtet werden kann, und dass, wenn die
gewöhnlichen Ausgaben und der bei Gallenblasenfisteln noch hinzu kommende
Verlust durch die Galle vollständig gedeckt werden, diese Flüssigkeit sich nicht
als eine für das Leben des Organismus durchaus DOthwendige darstellt.
loading ...