Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

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aus solchen bei mehrseitigen Mittheilungen nur ein Gewinn für die
Behandlung der Physiologie in den Vorträgen vom experimentellen
Standpunkte gezogen werden kann.

In einer Wissenschaft , in der die Experimentalmethode in den
Vorträgen noch so jung ist, müssen sich diejenigen, die dieser
huldigen, dadurch, dass sie die Experimente, die sie ihren Zuhörern
machen, und zum Theil auch die Art, in der sie sie ausführen, an-
gehen , gegenseitig unterstützen. Indem ich hier die Versuche auf-
zähle, die ich seit Jahren bei meinen Vorträgen über Physiologie
in einer mit jedem Jahre zunehmenden Ausdehnung angestellt habe
und die mit wenigen Ausnahmen seit der Gründung des hiesigen
physiologischen Laboratoriums jeden Sommer gemacht wurden, be-
absichtige ich vor Allem, meine Fachgenossen von derselben Richtung
zu ähnlichen Bel ichten zu veranlassen, weil ich überzeugt bin, dass
nur auf diesem Wege die Experimentalphysiologie in den Vorträgen
am schnellsten den Standpunkt erreicht, den die Chemie und Physik
schon lange erlangt haben.

Es ist unstreitbar, dass die Experimentalphysiologie, in dieser
Weise vorgetragen, weit grössere Schwierigkeiten setzt und weit
mehr Hindernisse bietet, als die Experimentalphysik und Experi-
mentalcbemie; denn die Versuche an lebenden Thieren, bei denen
so viele und verschiedene Factoren zusammenwirken, erheischen
eine weit grössere Umsicht und haben häutig keinen so sicher be-
stimmbaren Erfolg, wie die meisten Experimente in der Physik und
Chemie in den Händen geübter Beobachter. Wer in Gegenwart
von Anderen an lebenden Thieren experimentirt, muss die Ver-
suche, die er macht, schon zu wiederholten Malen angestellt
haben, wenn er die Erscheinungen und Wirkungen gewisser Vor-
gänge im lebenden Organismus mit Erfolg darlegen will.

Die Schwierigkeiten, die die Experimentalphysiologie in den
Vorträgen bietet, dürfen jedoch nicht abhalten, der Behandlung
derselben den Grad der Vollkommenheit zu geben, den diese
Wissenschaft gleich der Physik und Chemie beanspruchen muss,
wenn der Unterricht in derselben einen reellen Werth haben soll.
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