Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 83
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dehntere Reflexbewegungen machen , als solclie, bei denen
man das verlängerte Mark entfernt;

16) dass bei Fröschen, denen man den Kopf trennt, ohne das
verlängerte Mark mit wegzunehmen, häufiger und früher
Bewegungen ohne Anwendung von Reizen machen als solche
mit blossem Rückenmark;

17) dass decapitirte Frösche mit einem verlängerten Mark Ath-
mungsbewegungen machen, obgleich sie die Lungen nicht
mehr mit Luft füllen können, dass die Athmungsbewegungen
weniger häufig als bei unversehrten Fröschen erfolgen, in
der Regel aber auf Reize sogleich eintreten;

18) dass. wenn man den Einfluss des verlängerten Marks durch
die Lungenmagennerven auf Herz und Lungen aufhebt, indem
man diese Nerven durchschneidet, das normale Verhällniss
in der Häufigkeit der Herz- und Athmungsbewegungen ge-
ändert wird;

Anmerkung. Durch den S. 73 angeführten Versuch wurde gezeigt,
dass ein starker electromagnetischer Reiz auf das vcrlängerle Mark ent-
weder baldigen oder momentanen Stillstand des Herzens bewirkt.

19) dass das kleine Hirn von Fröschen, Tauben und Kaninchen
keine Empfindlichkeit gegen mechanische Reize besitzI:

20) dass theilweise oder gänzliche Entfernung des kleinen Minis
bei Tauben und Kaninchen Schwäche in den Bewegungen
der Glieder und Unvermögen sich im Gleichgewichte zu er-
halten zur Folge hat;

21) dass Frösche, denen man bei der Decapitation das grosse
Hirn entfernt, das kleine mit dem Verlängerten Marke aber
lässt, eine aufgerichtete Stellung mit den Vorderfüssen mehrere
Tage lang behalten, in der Regel aber die Stelle, auf die
man sie setzt, nicht verlassen, ausser wenn man sie reizt;

22) dass Frösche mit verlängertem Mark und kleinem Hirne, aber
ohne grosses Hirn, keinen Schmerz äussern;

23) dass Frösche und Kaninchen nach Entfernung des grossen
Hirns keine freiwilligen Bewegungen machen;

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