Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 95
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Die Ergebnisse, die ich aus diesen Versuchen und den früher
mitgelheilten entnehme, sind folgende:

Ein ausgewachsener Hund sondert nach dem Mittel von eilf
Beobachtungen an drei Hunden von verschiedener Grösse binnen 24
Stunden, bei zureichender Brodnahrung, d. i. bei 57 — 60 Gramm
Roggenbrod auf ein Kilo Körpersubstanz, 9 Gramm Galle, bei zu-
reichender Fleischnahrung, d. i. 96 Gramm frischen Rindfleisches
auf ein Kilo Körpersubstanz, 11,6 Gramm, bei vollständiger Nah-
rungsentziehung von der 18. bis 42. Stunde des Hungers 9 Gramm
Galle auf 1 Kilo seines Körpergewichts ab. Bei einer gemischten
Nahrung, deren Menge über das B.ediirfniss nicht hinausgeht, lässt
sich mitbin die Gallenmenge in 24 Stunden mit Wahrscheinlichkeit
auf 10 Gr. auf 1 Kilo festsetzen. Die Richtigkeit der Annahme
von Koelli/cer und H. Müller, dass die tägliche Gallenmenge bei
Hunden 21,5 bis 53,6 Gr., im Mittel 33,5 Gr. auf 1 Kilo betrage,
muss ich, gestützt auf meine Beobachtungen, bezweifeln. In der oben
citirten Abhandlung habe ich auf die wahrscheinlichen Ursachen
der Differenzen in den Beobachtungen von Bidder und Schmidt,
H. Nasse, mir, Koeliiker und //. Müller hingewiesen.

Die Menge der festen Theile der Galle beträgt in 24 Stunden
nach meinen Versuchen bei Brodnahrung 0,256 Gr., bei Fleisch-
nahrung 0,541 Gr., bei vollständiger Nahrungsentziehung in der
18. bis 42. Stunde des Büngerns 0,260 Gr. auf 1 Kilo Körpersub-
stanz. Somit ist der Gehalt der Galle an festen Bestandteilen im
Beginn der Inanition nicht geringer als bei einer zur Erhaltung des
Körpergewichts zureichenden Brodmenge, dagegen bei einer Fleisch-
fütterung mindestens doppelt so gross wie bei der Ernährung mit
Brod.

Hieraus ergibt sich unter Anderem die für die Physiologie und
Pathologie wichtige Thatsache , dass der Stoffumsatz in der Leber
durch Fleiscligenuss beträchtlich gesteigert wird, dagegen durch
vegetabilische, an Kohlenhydraten reiche Nahrung mit zureichendem
Gehalt an Albuminaten, wenn sie nicht in überschüssiger Menge
geboten wird, keine wesentliche Aenderung erfährt.
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