Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 116
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der Compensatio!! an. — In allen Fällen, in denen die Muskeln
in übereinstimmender Weise behandelt wurden, überwiegte der
Strom des imbibirten Muskels den des nicht imbibirten, und eben
so fiel bei der Methode der Compensation der Differentialstrom zu
Gunsten des imbibirten Muskels aus.

Wenn nun, wie ich nach meinen bisherigen Versuchen annehmen
zu dürfen glaube, von Zufälligkeiten hierbei die Rede nicht sein
kann, so muss die Ursache der Verstärkung der electromotorischen
Wirkung des Muskels in der Imbibition gesucht werden. Diese
kann nun eine Verstärkung bedingen, erstens durch die Spannung,
welche der Muskel als ein aus electromotorischen Elementen und
einem leuchten indifferenten Leiter bestehendes Gebilde erfährt, d. i.
durch den Druck, dem die Muskelsubstanz in Folge ihrer Ouellung
durch die Scheide nothwendig unterliegt, und zweitens durch das
Wasser, welches der Muskel bei der Ouellung aufnimmt und das
die electromotorische Leistungsfähigkeit des Muskels in verschie-
dener Weise verstärken könnte. — Mehrere Experimente, welche
ich an den Wadenmuskeln von demselben Frosche mit unversehrter
und der Länge nach an mehreren Stellen eingeritzter Scheide, die
ich gleichzeitig und unter gleichen Verhältnissen der Imbibition
unterwarf, anstellte, sprachen zu Gunsten der Annahme, dass die
Spannung durch die Scheide in Folge der Ouellung .die Verstär-
kung bewirkt; denn obgleich der Muskel mit eingeritzter Scheide
8, 12, 16 bis 24 Proc. mehr Wasser in einer bestimmten Zeit der
Ouellung aufgenommen hatte, als der mit unverletzter Scheide, so
ergab doch der letztere einen um 10°, 15°, 20° bis 30° stärkeren
Ausschlag als der erstere. Bei Anwendung der Methode der Com-
pensation erhielt ich einen Differentialstrom von 5° bis 10° zu Gunsten
des Muskels mit unversehrter Scheide. Trotzdem kann ich diese
Ansicht noch nicht für durchaus begründet halten und muss gegen
die Richtigkeit derselben noch Zweifel hegen, weil in mehreren
Versuchen die electromotorische Wirksamkeit des imbibirten Wadeu-
muskels mit unverletzter Scheide keine Schwächung erlitt, nachdem
die Scheide eingeritzt und die Spannung des Muskels dadurch jeden-
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