Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 118
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ich hier die verschiedenen Meinungen näher mittheilen wollte. Ich
behalte mir vor, dieselben in einer besonderen Abhandlung „über
die Verdauung des thierischen Eiweisses" zu besprechen und will
hier nur die Resultate meiner Untersuchungen über diesen Gegen-
stand angeben. Dieselben wurden erstens an Hunden mit einer Magen-
listeL zweitens mit natürlichem Magensaft von Hunden ausserhalb des
Magens bei einer Temperatur von 38° C., drittens mit künstlicher
Verdauungsfliissigkeit unter denselben Verhältnissen, viertens mit
reinem Wasser, mit durch Salzsäure gesäuertem Wasser von ver-
schiedener Concentration. mit Lösungen der im Magensaft vorkom-
menden Salze in verschiedenen Verhältnissen sowie mit Lösungen von
Pepsin in gesäuertem Wasser ohne und mit Salzen vorgenommen.

Die Versuche an Hunden mit einer Magenfistel über die Ver-
daulichkeit und die Veränderungen des frischen und geronnenen
Hühnereiweisses durch die Verdauung im Magen wurden mit Hülfe
des oben (S. 14) beschriebenen Apparats in grosser Zahl und an ver-
schiedenen Hunden angestellt. In der Mehrzahl der Fälle erhielt das
Thier, nachdem es 24 Stunden gefastet, das Weisse von 6 Eiern im
Betrag von 120 — 140 Ccm. Es wurden die ersten Portionen jede
halbe Stunde, die späteren jede Stunde aus dem Schlauch abge-
lassen, ihre Menge bestimmt und durch die geeigneten Keagentien
geprüft. Iii einigen Fällen wurde das Eiweiss dem Hunde zu einer
Zeit gereicht, zu der sich noch Speisereste und sauerer Magensaft
im Magen vorfanden..

Zu den Versuchen über die Veränderungen des Eiweisses durch
den Magensaft ausserhalb des Magens wurde diese Flüssigkeit da-
durch gewonnen, dass das Thier, nachdem es längere Zeit gefastet
hatte, mit Stücken vom compacten Theil gereinigter Knochen oder
von gereinigten Kippenknorpeln gefüttert wurde. Der filtrirte Magen-
saft stellte sich als eine lichte, stark sauer reagirende Flüssigkeit
dar, welche durch Siedhitze, durch Salpetersäure und Siedhitzc
opalisirend getrübt, durch Salpetersäure für sich nicht verändert
wurde; Eisencyankalium und Sublimat bewirkten eine opalisirende
Trübung.
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