Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 119
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Um die Veränderungen des Hühnereiweisses durch künstliche
Verdauungsflüssigkeit zu prüfen, wurde eine solche in folgender
Weise bereitet: auf 100 Tlieile Wassers mit 0.2 % reiner Salzsäure
nahm ich 2 Theile Schleimhaut aus dem Körper des Schweins-
magcns und brachte sie während einiger Stunden in eine Tempe-
ratur von 38° C. Nach erfolgter Lösung der Schleimhaut wurde
die Flüssigkeit filtrirt. Im Filtrat erzeugten Siedhitze. Salpeter-
säure, Salpetersäure und Siedhitze, sowie Sublimat eine schwach
opalisirende Trübung; auf Eisencyankalium, Weingeist, Alaun, Eisen-
chlorid, schwefelsaures Kupferoxyd, Platinchlorid, Weingeist ent-
stand keine Veränderung. Durch mehrfache Versuche überzeugte
ich mich, dass diese künstliche Verdauungsflüssigkeit vollkommen
geeignet ist, geronnenes Eiweiss, Fleisch, Bindegewebe, Leder-
haut, Knorpel u. s. w. zu lösen und umzuwandeln.

Das Verhalten des geronnenen und nicht geronnenen Hühner-
eiweisses zu reinem Wasser, gesäuertem Wasser, den Lösungen
von Chlornatrium, Chlorkalium, Chlorammonium. Chlorcalcium, phos-
phorsaurem Kalk, phosphorsaurer Magnesia und Pepsin wurde in
verschiedenen Verhältnissen , Concentralionen und Mischungen dieser
Stofl'e bei einer Temperatur von 38° C. geprüft, Das Pepsin, wel-
ches zu den Versuchen verwendet wurde, erhielt ich von Merk
in Darmstadt.

Die wichtigsten Ergebnisse, die ich bei den Versuchen mit
dem flüssigen Eiweiss von frisch gelegten Hühnereiern gewann, sind
folgende:

Das Weisse von 6 rohen Eiern im Betrag von 120 — 140 Ccm.
verschwand aus dem Magen von Hunden, welche 24 Stunden ge-
fastet hatten, in 2 — 3 Stunden. Es war dies früher der Fall,
wenn noch Speisetheile und saurer Magensaft im 31agen sich vor-
fanden, als wenn der Magen bei der Aufnahme des Eiweisses von
Speisen leer war und nur ein neutral oder schwach sauer reagi-
render Magenschleim die Magenwände überzog.

Wurde das rohe Eiweiss nach längerer (24stündiger) Nahrungs-
entziehung geboten. so erfolgte bei Hunden öfters Erbrechen. Das-
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