Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 120
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seihe stellte sich entweder in den ersten Stunden nach der Auf-
nahme des Eiweisses oder erst in einer späteren Stunde, nachdem
alles Eiweiss aus dem Magen verschwunden war , ein.

Das flüssige Eiweiss erfahrt bei der Verdauung im Magen weder
eine Trübung, noch eine Scheidung in einen membranösen und
gallertigen Theil, noch eine Coagulation, wenn man nach der Be-
schaffenheit der Portionen, die durch die Fistelöffnung abfiiessen,
die Vorgänge im Magen beurtheilt. Das Eiweiss, welches in der
ersten halben Stunde nach der Aufnahme abging, war zähflüssig,
gallertig, nicht filtrirbar, reagirte neutral oder schwach sauer und
verhielt sich gegen Reagentien vollkommen wie frisches Hühner ei-
weiss. Allmählig verlor es seine zähflüssige Beschaffenheit, wurde
dünnflüssig und leicht filtrirbar, durch Siedhitze, Salpetersäure etc.
nur weisslich getrübt und flockig coagulirt. Diese Aeuderung trat
in 1 bis iyz Stunden ein, früher wenn bei der Aufnahme des Ei-
weisses saurer Saft im Magen vorbanden war. Noch später, 1%
bis 2/4 St. nach der Aufnahme des Eiweisses, wurde die stark
sauer reagirende Flüssigkeit durch Siedhitze, Salpetersäure, Sal-
petersäure und Siedbitze nicht mehr weiss getrübt und grob flockig
coagulirt. sondern nur opalisirend getrübt und fein flockig coagulirt.

Bringt man frisches Hühnereiweiss mit der 5, 10, 15 und 20-
faohen Menge natürlichen Magensafts vom Hunde zusammen-, ohne
die Mischung mit einem Glasstabe zu bewegen, und setzt dieselbe
einer Temperatur von 38° C. aus, so wird das Eiweiss an seiner
Oberfläche weisslich und scheidet sich allmählich (binnen einer
halben Stunde) in einen membranös flockigen und einen gallertigen
lichten Theil. Die Menge des membranös flockigen Theils ist im
Ganzen unbedeutend und um so geringer, je grösser die Menge
des Magensafts, welche auf das Eiweiss einwirkt. Der anfänglich
gallertige Theil wird sehr bald opalisirend und weisslich getrübt,
verflüssigt sich rasch und trübt die übrige Flüssigkeit weisslich.
Das Ganze fängt nach i% bis 2 Stunden bei einer Temperatur von
38° C. an sich zu klären, wird wieder so licht wie im Anfange
und ist dann sehr leicht filtrirbar. Das Eiweiss wurde je nach der
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