Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 122
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flüssigkeit bei einer Temperatur von 3S° C. waren die grösseren
membranösen Flocken verschwunden, die kleineren in der Flüssig-
keit vertheilt; nach 2 St. erschien die Mischung heller, nach 3 St.
ziemlich hell. — Das mit künstlicher Verdauungsflüssigkeit gerührte
Eiweiss verlor sogleich seine Eigenschaft durch Siedhitze weiss
getrübt und coagulirt zu werden, wurde nach 2 Stunden durch
Salpetersäure nur opalisirend getrübt, und nach 5 bis 6 Stunden
durch Salpetersäure und Siedhitze nur noch fein flockig coagulirt;
ebenso durch Eisencyankalium.

Frisches Hühnereiweiss mit destillirtem Wasser in dem Ver-
hältnisse von 1 : 1 bis 10 gemengt und geschüttelt wird weisslich
getrübt, und es scheidet sich zugleich ein Theil in Form von mem-
branösen Flocken aus. Das mit der 1 bis i'/a fachen Wassermenge
verdünnte Eiweiss wird durch Siedllitze flockig, mit der 2fachen
Wassermenge verdünnte feinkörnig, mit der 3 bis öfachen molecular
coagulirt. Bei der feinkörnigen Coagulation entsteht eine milchige,
bei der molecularen eine weissliche, bei der weiteren bis lOfachen
Verdünnung nur eine opalisirende Trübung beim Erhitzen. — Wird
das frische Hühnereiweiss mit der Ifachen Wassermenge verdünnt,
nicht geschüttelt und während mehrerer Stunden einer Temperatur
von 38° C. ausgesetzt, so trübt es sich anfänglich schwach weiss-
lich, die Trübung verschwindet jedoch Avieder und es behält dann
seine gallertige lichte Beschallenheif. ohne einen flockigen Theil
auszuscheiden. Dagegen wird es, mit der2'/a bis lOfachen Wasser-
menge verdünnt, bei einer Temperatur von 38° C. an seiner Ober-
fläche sogleich weisslich getrübt und scheidet sich allmählig in zwei
Theile, einen membranösflockigen und einen gallertigen, welcher
letzterer sich nach und nach weisslich trübt, dünnflüssig wird und
der gesammten Flüssigkeit eine opalisirende Trübung ertheilt. Bei
der Verdiinnung mit der 1 bis 2 Yi fachen Wassermenge geht die
Flüssigkeit nach 6stündiger Einwirkung des Wassers bei einer
Temperatur von 38° C. nur theilweise und langsam durch ein Fil-
ter von feinem Fliesspapier, bei der Verdünnung mit der 5 bis lO-
fachen Wassermenge aber erfolgt die Filtration leicht und voll-
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