Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 123
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ständig. Das frische Hühnereiweiss verhält sich bei der Verdünnung
mit gleichen Theilen Wassers nach 6stündiger Einwirkung der Brat-
Wärme gegen Siedhitze. Salpetersäure u. s. w. gleich dem unver-
mengten Eiweiss; bei der Verdünnung mit der 2'/2 bis lOfachen
Wassermenge aber wird es durch Siedhitze nicht mehr coagulirt,
sondern nur bläulichweiss getrübt. Salpetersäure, Salpetersäure
und Siedhitze, Eisencyankalium. Sublimat dagegen erzeugen diesel-
ben Reactionen wie im unverdünnten Eiweiss.

Frisches Hühnereiweiss, mit Wasser, zu dem man 0.05% bis
0,2% reiner Salzsäure setzt, in dem Verhältnisse von 1 : 10 ge-
mengt und dann gerührt, verhält sich rücksichtlich der weisslichen
Trübung und des Zerfällens des getrübten Theils in Flocken beim
Umrühren gleich dem mit der lOfachen Menge reinen Wassers ge-
mischten und geschüttelten Eiweisse. Es unterscheidet sich jedoch
von diesem darin, dass Siedhitze in dem nicht getrübten Theile
keine Veränderung bewirkt und dass durch Salpetersäure und
längeres Erhitzen eine körnige Coagulation entsteht, Welche mit
dem Säuregehalt der Flüssigkeit in ihrer Feinheit zu- und in der
Menge abnimmt. — Bringt man Eiweiss mit der lOfachen Menge
von Wasser und 0,05 % Salzsäure mehrere Stunden in eine Tem-
peratur von 38° C., ohne die Flüssigkeit mit einem Glasstab zu
rühren, so erfährt ersteres dieselbe Veränderungen wie durch reines
Wasser unter denselben Verhältnissen , nur mit dem Unterschiede,
dass der auf dem Boden des Glases befindliche gallertige Theil des
Eiweisses später und weniger vollkommen sich trübt. Setzt man
aber zu dem Wasser eine grössere Menge von Säure, nämlich
0,1 % bis 0,2 % . so scheidet sich ein Theil des Eiweisses sogleich
in membranöse weisslich getrübte Flocken, der grössere Theil des
auf dem Boden des Glases befindlichen Eiweisses behält seine gal-
lertige lichte Beschaffenheit, wird allmählich dünner und flüssiger
und vertheilt sich ohne Trübung in der überstehenden Flüssigkeit,

Wenn man eine geringe Menge von Chlornatrium (0,25 %) zu
dem Wasser, in das man frisches Hühnereiweiss bringt, setzt und
mehrere Stunden eine Wärme von 38" C. einwirken lässt, so wird
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