Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 130
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arnold1858/0138
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
130

halben Stunde erhalten wurde, war von geringer Menge (1 — 2 Ccm.),
reagirte in der Regel sehr schwach sauer, enthielt keine Eiweiss-
stückchen, wurde durch Siedhitze opalisirend getrübt und durch
Salpetersäure, Salpetersäure und Siedhitze fein flockig coagulirt.
Die saure Reaction des im Schlauche meines Apparats sich sammeln-
den Chymificats und ebenso die Menge desselben nahmen mit jeder
Stunde bis zur 4. oder 5. Stunde nach der Aufnahme des Eiweisses
zu; es hatte eine grauliche Farbe und enthielt kleine Eiweissstück-
chen mit lichten durchscheinenden Kanten in mit jeder Stunde zu-
nehmender Menge. Nach der 6. Stunde nahm die sauere Reaction
rasch ab und es waren dann nur wenige und zidetzt keine Eiweiss-
stückcken mehr in der spärlich durch die Fistelöffnung abgehenden
Flüssigkeit zu erkennen. Das Filtrat des chymificirten Eiweisses
verhielt sich in der 2. bis 6. Stunde gegen verschiedene Reagentien
so, wie es zuerst Eberle, genauer aber Mialke, Lehmann u. A. in
Betreff des Eiweisspeptons angegeben haben.

Wurde fest geronnenes, in Würfeln geschnittenes Eiweiss mit
natürlichem Magensaft oder künstlicher Verdauungsflüssigkeit von
dem oben angegebenen Säuregehalt in dem Verhältnisse von 1 zu
10 einer Temperatur von 38° C. ausgesetzt, so waren die Verän-
derungen , die die Eiweissstückchen zeigten, auch rücksichtlich der
Zeit dieselben wie bei der natürlichen Verdauung an den Hunden
mit einer Magenfistel; sie wurden an den Kanten allmählich durch-
scheinend, nahmen in der Grösse und Zahl mit jeder Stunde ab
und waren nach 6, höchstens 8 Stunden vollständig gelöst; das
künstlich zu Stande gebrachte Eiweisspepton zeigte dieselben Reac-
tionen wie das natürliche. Wurde aber 1 Theil geronnenen Ei-
weisses mit 5 bis 2 Theilen Magensafts oder künstlicher Verdauungs-
flüssigkeit zusammengebracht und in ein Wasserbad von 38° C
gesetzt, so erfolgte die vollständige Lösung und Umwandlung des
Eiweisses erst in 14 bis 24 Stunden je nach der Menge der zur künst-
lichen Verdauung verwendeten Flüssigkeit.

Diese Beobachtung, welche mit ähnlichen Erfolgen schon von
Blondlot gemacht wurde, bestimmte mich die Wirkung von reinem
loading ...