Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 136
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Zwischen der vitalen Capacität und dem Körpergewicht kann
man , wie ich durch die Beobachtungen von Fabiiis und mir und auch
die von Hutchinson zeigte, kein proportionales Verhältniss erkennen.
Die Athmungsgrösse nimmt zwar mit dem Körpergewicht im All-
gemeinen zu, es findet aber von 5 zu 5 Kilo Zunahme in der Schwere
keine regelmässige Steigung der Athmungsgrösse statt, und es ist
die Schwere des Körpers nur in so weit von Einfluss auf die Ath-
mungsgrösse, als in sehr vielen Fällen das Gewicht des Körpers
mit der Höhe zunimmt. Die Behauptung von Hutchinson, dass die
Schwere des Körpers nächst der Höhe den bemerkenswerthesten
Einfluss auf die vitale Capacität übe, kann ich nach den vorliegen-
den Beobachtungen nicht für begründet ansehen.

Der Brustumfang dagegen besitzt einen eben so grossen Ein-
fluss auf die Athmungsgrösse, wie die Höhe des Körpers. Aus
den Beobachtungen von Simon und Fabius wies ich nach, dass
die Athmungsgrösse mit der Zunahme des Brustumfangs in einem
ähnlichen Verhältnisse steigt, wie mit der Körperhöhe. Nach dem
Mittel einer grösseren Zahl von Beobachtungen hat die Zunahme
von je 2'/2 Ctm. im Brustumfang einen Werth von 150 Com.; die
Athmungsgrösse beträgt im Mittel bei 65 Ctm. Brustumfang 2580
Ccm., bei 80 Ctm. 3480 Ccm., bei 90 Ctm. 4080 Ccm. Aber auch
zum Brustumfang steht die Athmungsgrösse in keinem arithmetischen
Verhältnisse. Dies hat seinen Grund darin, dass der äussere zum
inneren Brustumfang eben so variirt, wie die Brusthöhe im Ver-
hältniss zur Körperhöhe. Die Differenz beider beträgt im Büttel
10 Ctm., in extremen Fällen einerseits 5, anderseits 15 und selbst
20 Ctm. Diese Abweichungen von dem Mittel sind bedingt durch
die verschiedene Masse der Muskeln und des Fettes, welche auf
dem Thorax sich befindet. Wenn man daher bei sehr magern und
muskelschwachen Individuen 5 Ctm. zu dem Werthe fügt, den man
durch das Messen des äusseren Brustumfangs erhält, und bei starker
Musculatur und beträchtlicher Fettablagerung 5—10 Ctm. von dem
beobachteten Werthe abzieht, so ist man im Stande die Abwei-
chungen von dem mittleren Verhältnisse auszugleichen.
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