Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 139
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Ausser der Körperhöhe, dem Brustumfang, der Brustbeweg-
lichkeit und dem Alter üben auch die Beschäfligungs- und Lebens-
weise einen Einfluss auf die Athmungsgrösse aus. Um denselben,
wo möglich, näher zu ermitteln, stellte ich die Beobachtungen von
Hutchinson an Seeleuten, Seesoldaten , Recruten, Polizei- und Feuer-
mannschaft, Schriftsetzern, Handwerksleuten, Armen, Standesper-
sonen, sowie die von Simon, Fabius und mir an Studirenden in
einer Tabelle zusammen. Es ergab sich hieraus, dass im Allge-
meinen Standespersonen, Studirende und Arme eine niedere, See-
leute, Seesoldaten und Recruten eine sehr hohe, die übrigen Stände
eine mittlere Athmungsgrösse besitzen. Hierdurch sah ich mich be-
stimmt, die Stände, über deren Athmungsgrösse wir eine hinrei-
chende Zahl von Beobachtungen besitzen, mit Rücksicht auf das
Gesammtmittel der vitalen Capacität derselben, in drei Klassen zu
bringen und daraus nur hinsichtlich des Einflusses, den die Beschäf-
tigungs- und Lebensweise auf die Athmungsgrösse besitzt , zu ent-
nehmen, dass unter Verhältnissen, in denen die Athmungsbewegungen
weniger geübt werden, z. B. bei sitzender Lebensweise, wie wir
sie meistens bei Standespersonen und Studirenden treffen, sowie
da, wo nicht das zureichende Material für die Athmung dem Or-
ganismus zugeführt wird, wie dies häufig bei armen Leuten der
Fall ist, die Athmungsgrösse auffallend niederer steht, als bei sol-
chen Leuten, bei denen der stete oder häufige Aufenthalt im Freien
einen günstigen Einfluss auf die Mechanik der Athmungsfunctionen
besitzt, wie dies bei Seeleuten und Recruten der Fall ist, dass
aber bei denjenigen Ständen, deren Beschäftigungs- und Lebens-
weise einen zwischen den Extremen liegenden Einfluss auf den
Mechanismus und auch auf den Chemismus der Athmung hat , die
vitale Capacität einen mittleren Werth zeigt.

Dass eine zweckmässige Uebung der Muskeln überhaupt und
der Athemmuskeln in's Besondere einen günstigen Einfluss auf die
Athmungsgrösse übt, beweisen die Beobachtungen von Hutchinson
an Faustkämpfern und Ringern sowie die von Fabius an Sängern,
Flötenspielern und Trompetenbläsern. Dass dagegen Turnübungen,
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