Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 140
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wenn sie zu angestrengt und zu lange fortgesetzt werden, die vitale
Capacität öfters benachteiligen, wird durch mehrere Betrachtungen
von Fabius wahrscheinlich.

Um den Einfluss des Geschlechts auf die Athmungsgrösse be-
stimmen zu können, ürasste ich, da die früheren Beobachtungen
meistens an Männern angestellt waren, eine Reihe von Untersu-
chungen an weiblichen Individuen vornehmen. Ich stellte dieselben
mit den wenigen Beobachtungen von Fahim und Simon zusammen
und ordnete sie erstens nach der Körperhöhe und zweitens nach
dem Brustumfang der untersuchten Individuen. Es ergab sich hier-
aus, dass beim Weib wie beim Mann die vitale Capacität mit der
Höhe des Körpers und dem Umfang der Brust zunimmt, dass dort
wie hier in der Zunahme der Athmungsgrösse sowohl im Verhält-
nis^ zur Höhe, wie zum Brustumfang ein bestimmtes Progressions-
verhältniss waltet, dass aber beim Weib die Athmungsgrösse ab-
solut und relativ geringer ist als beim Mann; denn sie steigt bei
weiblichen Personen sowohl mit der Zunahme der Körpcihöhe wie
mit der des Brustumfangs im Verhältnisse von 100 Ccm. für je 2/2
Ctm., während bei Männern sie im Verhältnisse von 150 Ccm. für 2%
Ctm. zunimmt. Die Athmungsgrösse beträgt nämlich beim Weib
im Mittel bei einer Körperhöhe von 144 Ctm. 2000 Ccm., von 164 Ctm.
2800 Ccm., bei einem Brustumfang von 71 Ctm. 1900 Ccm., von
91 Ctm. 2700 Ccm. Die nicht blos absolut, sondern auch relativ
geringere Athmungsgrösse des Weibes im Vergleich zu der des
Mannes ist dadurch bedingt, dass die drei wichtigsten Factoren, die
Körperhöhe, der Brustumfang und die Brustbeweglichkeit, beim
Weib andere Verhältnisse bieten als beim Manne, insofern die Höhe
des Brustkastens im Verhältniss zur Körperhöhe, der innere Brust-
umfang im Verhältniss zum äusseren und die Brustbeweglichkeit
geringer sind als bei männlichen Individuen.

Die zuerst von Küchenmeister, dann von Fabius und Wintrich
gemachte Beobachtung, dass die Athmungsgrösse während der
Schwangerschaft nicht geringer, in manchen Fallen selbst etwas
grösser ist als nach der Entbindung, fand ich bestätigt. Die Er-
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