Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 141
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klärung dieser a jyriori auffallenden Thalsache, dass die Ausdehnung
des Uterus und der Bauchhöhle während der Schwangerschaft keinen
bemerkenswerthen Einfluss auf die vitale Capacität übt . kann in zwei
Uniständengesucht werden, nämlich erstens darin, dass beim weib-
lichen Geschlechte die Ausdehnung der Athmungshöhle vorwiegend
im oberen Abschnitt des Thorax geschieht, und zweitens darin, dass
in Folge der Ausdehnung des Uterus zwar die Beweglichkeit des
Zwergfells nach unten beschränkt, dagegen der quere und gerade
Durchmesser der Basis der Brusthöhle vergrössert und mithin das
Minus in der Verlängerung der Brusthöhle durch das Plus in der
Erweiterung derselben an der Grundfläche beider Lungen zum Tlieil
coinpensirt wird.

Was die Aendcrungen der Athmungsgrösse durch Krankheiten
betrifft, so wurde nach den Beobachtungen von Simon und Fabius
und zum Tlieil nach denen von Hutchinson, Schneevogt und Win-
trich der Einfluss der Tuberculose, der catarrhalischen, pneumoni-
schen und pleuritischen Aifectionen, des Lungenemphysems, des
Asthma, der einseitigen Lähmungszustände des Thorax, der Herz-
leiden, der abweichenden Formen des Thorax, der Bauchwasser-
sucht, der Leber-und Milzhypertrophien sowie allgemeiner Körper-
schwäche und dyscrasischer Zustände auf die Lungencapacität einer
näheren Prüfung mit Rücksicht auf das Verhältniss derselben zu den
drei Hauptfactoren, der Körperhöhe, dem Brustumfang und der
Brustbeweglichkeit unterworfen. Es ergab sich hierbei:

1) dass die vitale Capacität der Lungen am beträchtlichsten
vermindert wird durch die Tuberculose und zwar um 10 — 50
Proc. bei geringerer, um 50 — 85 Proc. bei grösserer Ausdehnung
der pathologischen Veränderungen, ferner durch Ergüsse in die
Plaurasäcke und das Emphysem (um 10 — 50 Proc), in gerin-
gerem Grade (um 10 — 30 Proc.) durch chronische Bronchitis,
Asthma, Scoliose und Paralyse der Athemmuskeln, am mindesten
durch Ascites, Leber- und Milzhypertrophien und leichte Catarrhe,
sowie diejenigen dyscrasischen Zustände, welche eine allgemeine
Körperschwäche zu Folge haben;
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