Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 142
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2) dass die Athmungsgrösse bei der Tuberculose, bei pleuriti-
schen Ergüssen und bei spastischen Leiden der Athmungswerkzeuge
im Verhältniss zur Körperhöhe, zum Brustumfang und zur Brust-
beweglichkeit verringert ist, beim Emphysem und in den paralyti-
schen Affectionen dagegen sie sich nur im Verhältniss zur Höhe
und zu dem Brustumfang vermindert zeigt, nicht aber im Verhält-
niss zu allen Factoren, d. h. nicht oder nur in geringem Grade ver-
mindert, wenn man ausser der Körperhöhe und dem Brustumfang
auch die verminderte Brustbeweglichkeit mit in Betracht zieht.

Durch die hier in möglichster Kürze mifgetheilten Ergebnisse
meiner Nachforschungen über den Einfluss verschiedener körper-
lichen Verhältnisse und Zustände auf die Athmungsgrösse des Men-
schen sali ich mich zum Schlüsse berechtigt, erstens dass die haupt-
sächlichsten und wichtigsten Factoren, welche bei der Bestimmung
des physiologischen Mittels der vitalen Capacität einer Person be-
rücksichtigt werden müssen, die Körperhöhe, der Brustumfang und die
Brustbeweglichkeit sind; zweitens dass die übrigen Factoren, wie Alter,
Lebensweise u. s. w., nur in denjenigen Fällen , in denen sie ihren
Einfluss auf die Athmungsgrösse mehr oder weniger bemerkbar
geltend machen, in Betracht gezogen werden können; drittens dass,
da die drei wichtigsten Factoren veränderlich sind und je nach
Individualitäten mehr oder weniger von einem mittleren Verhält-
nisse abweichen, die Berechnung des physiologischen Mittels der
Athmungsgrösse einer Person keine mathematische Genauigkeit son-
dern nur eine approximative Bestimmung beanspruchen kann; vier-
tens dass demungeachtet das Spirometer von grossem Werth für
die Prüfung des Athmungsvermögens im gesunden und kranken
Zustande des Menschen ist, weil wir mit Hülfe desselben im Stande
sind, wenn wir die Körperhöhe, den Brustumfang und die Brust-
beweglichkeit einer Person genau kennen und dabei noch Alter und
Lebensweise berücksichtigen, anzugeben, welche vitale Capacität
die Lungen dieser Person im normalen Zustande im Mittel besitzen
und zwar in der grossen Mehrzahl der Fälle annährend bis auf 5
und 10 C. Z. oder 100 und 200 Ccm., sowie ob und in welchem
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