Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 143
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Grade kranke Menschen, namentlich solche, die an gewissen Lun-
genkrankheiten, wie Tuberculose und pleuritischen Exsudaten leiden,
von dem physiologischen Mittel in ihrer Athmungsgrösse abweichen.

Das Spirometer hat demnach nicht blos einen rein wissenschaft-
lichen , sondern auch einen praktischen Werth. Letzterer betrifft,
wie ich zeigte, die Diagnose, Prognose und Prophylaxis gewisser
Krankheiten der Athmungsorgane, sowie die Anwendung bei Lebens-
versicherungsanstalten und Conscriptionspllichtigen. Die physikali-
schen Prüfungsmittel bei Lungenkrankheiten erhalten durch die
Spirometrie eine Bereicherung und dies in sofern, als die Ergeb-
nisse der Untersuchung mittelst jener durch das Spirometer bestä-
tigt oder erläutert oder vervollständigt werden, und der Arzt in
der Diagnose und Prognose der Tuberculose in manchen Fällen
eine grössere Sicherheit erlangt und in prophylactischer Hinsicht
das geeignete Verfahren zur rechten Zeit einzuleiten veranlasst
sich sieht.

In welcher Weise man nach dem gegenwärtigen Stande unserer
Erfahrungen das physiologische Mitlei der Athmungsgrösse einer
Person bestimmen kann, habe ich in dem 10. Kapitel meiner Schrift
gezeigt. Um diese Bestimmung zu erleichtern, fertigte ich zwei
Tabellen an, die eine für männliche, die andere für weibliche In-
dividuen , welche das physiologische Mittel der Athmungsgrösse im
Verhältniss zur Körperhöhe und zum Brustumfang in jedmöglicher
Combination beider angeben.

Gegen das Verfahren, nach der Höhe des Körpers, dem Um-
fang und der Beweglichkeit der Brust das physiologische Mittel
der Athmungsgrösse einer Person zu bestimmen, hat zuerst Don*
das*) und ihm folgend Funke**^ Einsprache erhoben. Beide
behaupten, dass der Brustumfang und die Brustbeweglichkeit wegen
ihrer Veränderlichkeit bei Gesunden und ebenso wegen der durch

*) Donders, Zeitschr. für rationelle Medicin, 1853, S. 306, und Physiologie
des Menschen. Leipzig 1856, S. 398.

*») 0. Funke, Lehrbuch der speciellen Physiologie. Leipzig 1858, S. 371 ff.
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