Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 144
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Krankheiten bewirkten Veränderungen bei Kranken als Factoren
bei der Berechnung nicht verwendet werden dürfen, dass man auf
diesem Wege erfahre, wie gross die vitale Capacität einer Person ist,
nicht aber wie gross sie sein soll, da ja auch der Umfang der Brust
und deren Beweglichkeit krankhaft verändert sein können, dass dess-
wegen nur Höhe. Alter und Gewicht nach Hutchinson in Rechnung
gebracht werden dürfen.

Durch die im 4., 5. und 11. Kapitel meiner Schrift mitgetheil-
ten Beobachtungen habe ich bewiesen, erstens dass bei Gesunden
der Brustumfang und die Brustbeweglichkeit, obgleich veränderliche
Factoren, doch mindestens ebenso werthvoll für die Bestimmung
des physiologischen Mittels der Athmungsgrösse einer Person sind,
wie die Körperhöhe, welche nach Individualitäten ebenso beträcht-
liche Abweichungen zeigt, wie Umfang und Beweglichkeit der Brust;
zweitens dass gerade in denjenigen Krankheiten, in denen die
Spirometrie eine Anwendung findet, wie in der Tuberculose, die
Athmungsgrösse im Verhältniss zu allen drei Factoren, zur Körper-
höhe, dem Umfang und der Beweglichkeit der Brust, verringert
ist, was seinen Grund ohne Zweifel darin hat, dass die Vermin-
derung des Umfangs und der Beweglichkeit der Brust in Folge
Tuberculosen Lungenschwunds besonders die obere Region des Thorax
betrifft, an der die Messung zum Behuf der Bestimmung der phy-
siologischen Athmungsgrösse nicht vorgenommen wird.

Die von mir angegebene Methode, welche bei der Bestimmung
des physiologischen Mittels der Athmungsgrösse einer Person die
drei wichtigsten Factoren und deren Werthe, soweit diese sich nach
den bisherigen Beobachtungen feststellen Hessen, berücksichtigt,
muss diesemnach entschieden einen höheren wissenschaftlichen Werth
und eine grössere praktische Brauchbarkeit haben, als das Verfahren
von Hutchinson, welches nach meiner Ueberzeuguiig weder bei Ge-
sunden noch bei Kranken mit Erfolg anwendbar ist, weil von drei
körperlichen Verhältnissen, welche den grössten Einfluss auf die
vitale Capacität eines Menschen besitzen, nur das eine, die Kör-
perhöhe, dabei in Betracht gezogen wird, das Gewicht aber, wie
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