Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 145
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ich nachwies, keinen Werth hat und der Einfluss des Alters bei
dem gegenwärtigen Stande unserer Kenntnisse nicht genau bestimmt
werden kann.

Meine Nachweisungen über das Verhältniss der Athmungsgrösse
zu bestimmten constitutionellen Zuständen des Thorax, wie wir sie
in dem so verschiedenen Verhalten der Höhe, des Umfangs und der
Beweglichkeit der Brust einzelner Personen treffen, und die durcb
Alter, Lebens- und Beschäftigungsweise und das Geschlecht mehr
oder weniger modificirt werden, wurden von Donders und 0. Funke
entweder nicht verstanden oder nur theilweise gelesen. Funke hat
jedenfalls durch seine Bemerkungen bewiesen, dass er in der Lehre
von der Spirometrie weder die nöthigen Kenntnisse, noch ein maass-
gebendes Urtheil besitzt; denn Jeder, der nur obenhin mit der
Spirometrie bekannt ist, weiss, dass die Unterbringung aller Hand-
werker in eine Klasse, ebenso der Mitglieder der Polizeimann-
schaft nicht von mir, sondern von Hutchinson geschah, und Jeder,
der nur einen flüchtigen Blick in das 7. Kapitel meiner Schrift wirft,
sieht sogleich, dass ich die Zusammenstellung der Athmungsgrössen
verschiedener Stände oder Menschenklassen, wie sie Hutchinson
nannte, nur machte, um zu sehen, welchen Einfluss die Lebensweise,
d. h. Aufenthalt und Beschäftigung im Freien und Menge der Nahrung,
auf das Athmungsvermögen des Menschen haben. — Aus dem 12.
Kapitel meiner Schrift ..über den Werth der Spirometrie" geht her-
vor, dass ich auf die von mir angegebene Methode der Bestimmung
des physiologischen Mittels der Athmungsgrösse kein grösseres Ge-
wicht legte , als sie nach den vorliegenden Thatsachen beanspruchen
kann; denn ich erklärte S. 151 und 156 ausdrücklich, dass, da die
drei wichtigsten Factoren veränderlich sind und je nach Individua-
litäten sehr grosse Abweichungen von einem mittleren Verhältnisse
zeigen, natürlich auch die Berechnung des physiologischen Mittels
der Athmungsgrösse einer Person keine mathematische Genauigkeit,
sondern nur eine approximative Bestimmung beanspruchen kanu,
dass man im Stande sei, auf dem von mir bezeichneten WTege die
vitale Capacität einer gesunden Person in den meisten Fällen an-

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