Arnold, Friedrich  
Die Physiologische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 bis 1858 — Heidelberg, 1858

Seite: 147
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Die historische Erörterung dieses Gegenstandes und die Kritik
der verschiedenen Meinungen gehören nicht hierher. Die in Frage
stellenden Punkte habe ich hier nur vom experimentellen Stand-
punkte aus zu prüfen und anzugeben, welches Verfahren ich bei
den Experimenten hierüber, die an Hunden und Kaninchen ange-
stellt wurden, eingeschlagen habe.

Zuerst wurde durch einen Längsschnitt die Haut vom oberen
bis zum unteren Ende des Brustbeins getrennt und dann von den
Brustmuskeln beiderseits abgelöst , hierauf der grosse und nach die-
sem der kleine Brustmuskel in der Mitte zwischen Ursprung und
Ansatz durchschnitten, zuletzt der grosse Sägemuskel getrennt und
von den Rippen entfernt. Beim ruhigen Athmen des Thiers, wie
dies selbst nach diesem operativen Eingriff meistens bei Kaninchen
statt findet, sieht man jetzt nur eine schwache Bewegung an den
wahren Rippen. Um eine starke und messbare Bewegung dieser
hervorzurufen, wird der eine Pleurasack durch einen Eiustich in
einen Intercostalraum eröffnet. Augenblicklich tritt in sehr voll-
kommenem Grade die Bewegung der wahren Rippen ein, während
vorher nur die Bauchrippen eine deutliche Bewegung erkennen liesseil.
Das Brustbein und die 1. Rippe bleiben aber unter diesen Umstän-
den meistens ruhig. Beabsichtigt man auch die Veränderungen des
Thorax und die Wirkung der Muskeln bei sehr angestrengtem und
mühevollem Athmen zu studiren. so muss man auch den anderen
Pleurasack durch einen Einstich eröffnen. in Folge dessen auch
die 1. Rippe und das Brustbein bei einer möglichst tiefen Inspira-
tion bewegt werden. — Um den Grad und die Art der Bewegung
der Rippen und des Brustbeins gehörig zu ermitteln, befestigt man
Stecknadeln mit den Spitzen an denjenigen Punkten, deren Bewe-
gungen man genauer zu untersuchen beabsichtigt.

An Hunden kann man, jedoch mit einem nicht so sichern Er-
folg, den Versuch auch in folgender Weise anstellen: Einem Hunde
wird ein Schlag auf uen vorderen Theil des Schädels verselzl.
Das Thier wird, wrenn man den Schlag in der richtigen Weise
und in dem rechten Grade ausführt, betäubt, athmet aber noch fort

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