Kunsthandlung Arnold & Siegel   [Hrsg.]
Versteigerung in den neuen Räumen Bockenheimer Landstraße 17: Montag, den 4. Oktober 1926 — Frankfurt a. Main, 1926

Seite: IV
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DIE VERSTEIGERUNG, der dieser Katalog dienen wird, ist
die erste der Herren Arnold & Siegel in ihrem neuen Heim; sie
soll, was nicht verschwiegen zu werden braucht, eine Belastungs-
probe für die Prinzipien bedeuten, mit denen die Inhaber ihr
junges Unternehmen in überraschend kurzer Frist vorwärts zu
bringen verstanden haben und denen sie jetzt auf breiter Grund-
lage zu folgen wünschen.

Diese Prinzipien sind weder künstlich herbeigezogen noch eine
schöne Drapierung geschäftlicher Zwecke; sie ergeben sich sehr
einfach aus einer strikten Ablehnung der Konjunkturmethoden,
zu denen die vergangenen Jahre verleiten mochten, und einer
verantwortungsbewußten Auffassung der Aufgabe des echten
Kunsthändlers. Dieser Typus ist heute keineswegs antiquiert. Der
Kunsthandel, der Existenzberechtigung beanspruchen darf, ist etwa
wie die Zeitung ein eigentümliches Mischgebilde aus geistigen
Absichten und Antrieben auf wirtschaftlicher Grundlage. Solcherlei
Mischung läßt sich nicht in einer Hexenküche herstellen; sie in
einem gesunden Verhältnis in sich zu vereinen, ist Sache der
Persönlichkeit. Und nach dieser Persönlichkeit wird der
Kunstfreund zu fragen haben.

Damit wäre aber dem Kunsthandel noch immer kaum mehr als
eine Zwischenfunktion zuerteilt, wenn nicht der Händler die Passion
und Begabung besäße, mehr zu sein: Sammler, Forscher,
Spürnase, also geradezu Wertentdecker und Werterhöher, im
kulturellen Sinne sowohl wie im wirtschaftlichen. Auf diesem
Gebiet soll er in ideale Konkurrenz zu dem privaten Sammler
und nicht selten auch zu dem Kunstforscher treten.

UND DAS PUBLIKUM? Wir möchten annehtnen, daß es
auch von denen, die es angeht, nicht immer zutreffend eingeschätzt
wird. Die so gern in den Vordergrund gerückte Verminderung

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