Kunsthandlung Arnold & Siegel   [Hrsg.]
Versteigerung in den neuen Räumen Bockenheimer Landstraße 17: Montag, den 4. Oktober 1926 — Frankfurt a. Main, 1926

Seite: V
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der Kaufkraft, so wenig sie zu unterschätzen ist, dürfte keine
solche überragende, mindestens nicht die alleinige Schuld daran
tragen, daß kulturell wertvolle Schichten heute der praktischen
Kunstbetätigung fernstehen. Dieses Publikum ist wohl mehr das
Opfer von Erfahrungen aus dem letzten Jahrzehnt, die heute nicht
mehr zutreffen, die sich aber bei ihm zu dieser starren Gewohn-
heitsansicht verdichtet haben, daß es auch weiterhin auf Kunst
wie auf jeden reinen Luxus verzichten müsse. Es kann sich also
nicht etwa darum handeln, das Publikum zum künstlerischen Ge-
nuß und Verständnis zu erziehen, was wir denn doch für eine
zu weitgehende Unterschätzung halten, sondern darum, ihm Kon-
takt zu den inzwischen eingetretenen Wandlungen am Kunstmarkt
zu verschaffen und es zu überzeugen, daß der Kunsthändler durch-
aus bereit ist, sich den geänderten Verhältnissen in jeder Hinsicht
anzupassen.

Dieser Einschätzung entspricht auch der Charakter der Ver-
steigerung. Sie bietet Kunst in ihrer ganzen Breite von der ferrare-
sischen Predella bis zu winzigen Miniaturen, vom Gestühl bis
zum farbigen Glas. Der Kunstfreund, der wieder Fühlung auf-
nimmt, ist in der Lage, sich neu zu informieren und sich ent-
sprechend seinen gewandelten Verhältnissen auf neue Ziele um-
zustellen. Bei alledem ist Platz geblieben für die besondere Nei-
gung der Inhaber, die Lukas Cranach und den zeitgenössischen
Niederländern gilt.

Diese Absichten rechtfertigen wohl den Wunsch, daß das Ergebnis
dieser Veranstaltung den in sie gesetzten Erwartungen ent-
sprechen möchte. V/. Schöppe

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