Kunsthandlung Arnold & Siegel   [Hrsg.]
Auktion: Dienstag, den 30. November 1926 — Frankfurt a. Main, 1926

Seite: 5
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VORWORT

Die Zustimmung des Publikums, wie sie in dem Ergebnis der ersten
Versteigerung der Herren Arnold & Siegel zum Ausdruck gekommen
ist, hat ihren Grundsätzen durchaus recht gegeben. Die jetzige zweite
Veranstaltung geht einen Schritt weiter und rückt das Kunstwerk in-
timen Charakters in den Vordergrund, das nach Motiv, Behandlung,
räumlichem Umfang und entsprechend im Preis dem bescheidenen
Standard der Nachkriegszeit angemessen ist. Die Wohnung von heute
sieht einer Schiffskabine oft erschreckend ähnlich und großfiächige
Wände kommen nur noch selten zur Aufrichtung; um so notwendiger
ist in ihnen das künstlerische Gebilde, das die nüchterne Zweckmäßig-
keit mit Helle, Weite und reicher Fülle überstrahlt, das eine Behausung
zum Heim erhebt. In einem zierlichen Stück, einem unbekümmert
entwickelten Motiv spiegelt sich der heitere Abglanz des Lebens oft
um so vieles lockender als in einer weit ausladenden Komposition.

Ein Beweisstück dafür ist die in fröhlicher Laune gemalte Holz-
palette Kaulbachs, ein echter Künstlergruß. Das thematische Gegen-
stück repräsentieren Feuerbachs ,,Frauen am Grabe“. Zwischen ihnen
ordnen sich als Hauptstück und besondere Lieblinge des Hauses die
Holländer ein.

Teppiche von der ungewöhnlichen Schönheit der Buchara und Saruk
der vorliegenden Sammlung verdienen es, möglichst ungehindert den
phantastischen Verlauf ihrer Zeichnung und den Prunk ihrer Farben
der Betrachtung anzubieten. Auch im modemen Wohnraum könnte
der Teppich etwas mehr von seiner ursprünglichen Bestimmung er-
füllen, die weit über die eines Gebrauchsgegenstandes und einer De-
koration hinausgeht. Auf dem diskretesten der Stücke möchte man
die prachtvolle Aubussongarnitur sehen.

Schließlich — die Aufstellsachen, ein roher Sammelbegriff für ein
Vielerlei an Elfenbein, Bronze, Silber und Fayence, ausnahmslos, auch
im winzigsten Gerät mit einer zärtlichen Liebe gearbeitet. Die neue
Sachlichkeit hat so viele Flächen auf, an und in den Möbeln freige-
macht, deren neutraler Anblick eine ganz charakteristische Belebung
durch das sorgfältig gewählte und sorgsam gesetzte Kleinkunstwerk
verlangt. Oft stärker als man es ihr zutrauen wird, bestimmt die
kapriziöse Kleinsache den Ton des Raumes, spricht das Urteil über
seine Kultur und die seines Besitzers. [W. Sch,]
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