Instytut Historii Sztuki <Posen> [Hrsg.]
Artium Quaestiones — 3.1986

Seite: 77
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Miodrag Jovanovic

SERBISCHE KIRCHLICHE MALEREI IN DER BIEDERMEIERZEIT*

Auch wenn man den Anschein bekommen könnte,, daß es in den styli-
stischen und thematischen Kernen des Biedermeiers keinen Platz für die
kirchliche Kunst gibt, bedeutet das nicht, daß zugleich die kirchliche
Kunst keine Bedeutung hatte. Ausreichende Bestätigung für einen solchen
Beschluß stellen die Ideen und Tätigkeiten der deutschen Nazarener dar,
obwohl zur Gänze oder mit Rücksicht nur auf die serbische Malerei, die
Entwicklung und das Schicksal der kirchlichen Kunst nicht in der aus-
schließlichen Abhängigkeit von den nazarenischen Einflüssen zu erörtern
ist. In größeren oder kleineren regionalen Milieus kam die romantische
Bindung der Kunst mit dem nationalen Leben zum Ausdruck, was sich
auch auf die Bindung des Patriotischen mit dem Religiösen wie der spiegel-
te * 1 und bei den Serben eine klare Verminderung der Unterschiede zwi-
schen dem Gläubigen und Nationalen bedeutete. In der serbischen Kunst
der neueren Zeit verlor langsam die kirchliche Malerei die Bedeutung des
leitenden Genres und der attraktivsten Arbeit der Maler. Der Prozeß der
Säkularisation wirkte immer mehr auf die serbische kirchliche Malerei;
die Elemente des Profanen, national und historisch intoniert, drangen
in die Ikonographie der Ikonen, die Tradition wurde von der modernen
Ästhetik zurückgeschoben, jedoch der Kampf um das Religiöse hörte
nicht auf, entscheidend zu sein.
Eigentlich, nach den großen Migrationen in Richtung Norden an der
Wende des 17. und anfangs des 18. Jahrhunderts hatte die kirchliche
Malerei vier Perioden, die als Umschwüngen bezeichnet werden können.
Im 18. Jahrhundert ereignete sich das Wichtigste: es wurde die jahr-
hundertlange Beziehung mit der Ästhetik der byzantinischen und nationa-

* Vortrag gehalten am 27. Mai 1001 in dem Institut für Kunstgeschichte der
Adam-Mickiewicz-Universität.
1 H. von Einem, Deutsche Malerei des Klassizismus und der Romantik
{1760 - 1840), München 1978, S. 70.
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