Instytut Historii Sztuki <Posen>   [Hrsg.]
Artium Quaestiones — 3.1986

Seite: 84
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M. JOVANiOVlC

schließlich negatives oder die Tatsache über die Folgen eines bestimmten
ästhetischen Standpunktes, welcher das Kunstwesen einer ganzen Epoche
kennzeichnet, zu sehen. Diese „Rosenöle” und pietistische „Seelenstim-
mung” folgten aus den Bedürfnissen und Auffassungen der Gesellschaft,
folgten ständig die Bemühungen der Kirche selbst (vor allem der katho-
lischen), die Religiosität der Gläubigen anzuregen. Dabei konnte man
nicht im Gegensatz zur sentimentalen Gesellschaft gehen.
Und noch eine in der ganzen Reihe der Fragen: wäre es möglich zu
beschließen, daß die Maler aus der Biedermeierepoche zwei Standpunkte,
zwei stilistischen und Ausdrucksmethoden hatten; einen, wenn es sich
um ein kirchliches Bild handelt und den anderen, vor dem Staffelei mit
einem Forträt, Genre oder einem Stilleben. Es ist nicht zu negieren, daß
einige Unterschiede unvermeidbar waren. An einem Bild mit religiösem
Thema mußte man jene Komponente betonen, welche im Erregen eines
erhöhten Glaubenfiebers vermittelte.
Aber im Großen und Ganzen genommen verblieb der Bildausdruck
und die Bildschrift gleich. So war es in Wien, so auch bei den serbischen
Schüler der Wiener Akademie. Die kirchliche pronazarenische Malerei
stellte einen Teil der bürgerlichen Epoche und Kunst dar. Deswegen sind
Zweifel zur Frage, ob die kirchliche Kunst zum Biedermeier gehört oder
ob etwas vollständig und getrennt oder anders ist, überflüssig. Sie ge-
hörte damals zu einem Teil der Epoche, zwar mit einigen besonderen
Bezeichnungen, Vor- und Nachteilen. Soweit ein Porträt als Form der
profanen Ikone dankbar für den erweckten Kult der Selbstbefriedigung,
sogar zur Selbstvergötterung, war die religiöse Ikone und ihr Platz
im bürgerlichen Heim oder anläßlich einer kirchlichen Dekorierung, kein
Teil einer anderen Stelle oder Lebensphilosophie. Besonders bei den Ser-
ben, bei welchen die Frage des Glaubens an Gott oder sich selbst die we-
sentlichste Frage der gläubigen und nationalen Erhaltung war. Es ist
sicher, daß die Serben damals in der Kunst nicht leicht ihre eigene Re-
zeptionsmöglichkeiten überwinden konnten und einen neuen Weg aus-
findig machen oder verwirklichen konnten. Sie suchten und fanden ihn
in. den politischen und kriegerischen Streiten um die nationale Befreiung.
Im 19. Jahrhundert besteht auf der politischen Karte Europas kein
Serbien. Die rötlichen Flecken rings um Belgrad verbreiteten sich lang-
sam seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts, nach dem Ersten und Zwei-
ten Aufstand und bezeichneten damit die Erscheinung eines noch kleinen
europäischen Staates, der sich auf dem Wege der vollständigen Wieder-
herstellung seines unabhängigen Staatswesens befand. Am 1. Mai 1848 ha-
ben die Sorben in Österreich serbisches Vojvodina proklamiert (wie dies
Pavle Simić auf seinem Gemälde dargestellt hat — Abb. 4); im jungen
Fürstentum wurden inzwischen neue Kriegsführen um die weitere Befrei-
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