Andreae, Bernard [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (1,2): Die Sarkophage mit Darstellungen aus dem Menschenleben: Die römischen Jagdsarkophage — Berlin, 1980

Seite: 124
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zwar schon Verästelungen aufweisen, aber noch nicht die Stufe des Sarkophages in Arles C erreichen. Einzigar-
tig ist bei diesem Sarkophag die Darstellung kleiner Hintergrundsfiguren auf Geländewellen zwischen den
Jagenden. Der Sarkophag scheint aus einer anderen Werkstatttradition zu stammen als die übrigen.

6.2.3. Die spät- und nachkonstantinische Gruppe

Die Bedeutung des neugefundenen Sarkophages in Arles C beruht vor allem darin, daß er sich aus äußeren
Indizien ziemlich genau um 330 n.Chr. datieren läßt571. Mithin bildet er den einzigen chronologischen Fixpunkt
zwischen dem Konstantinsbogen von 315 n.Chr.5'2 und dem Junius-Bassus-Sarkophag573 von 359 n.Chr.
Handwerklich und kompositionell ist er nicht hervorragend. Der Parallelismus von drei fast gleich bewegten
Reitern in der Hirschjagd rechts ist öde und wird durch einen vierten Reiter hinter dem Baum, der die
Komposition gliedert, eher verstärkt als gemildert. Daran ändert auch die Tatsache nicht viel, daß der
Reiter sich zurückwendet und mit dem Speer nach dem Eber sticht, den der Jäger am linken Rand gestellt
hat (Taf. 108,1). Zuviele Figuren in ähnlicher Haltung sind parataktisch aneinandergereiht. Die Reiter mit
ihren langen, schmalen Köpfen wirken so hölzern wie die Pferde, auf denen sie sitzen, und auch die Hirsche,
die im Rudel ins Netz getrieben werden, sind steif und leblos. Ansprechend ist nur das kleine am Netz
knieende Männchen mit dem Cucullus, das in eine Nische der im übrigen grob gespitzten rechten Nebenseite
gedrückt ist (Taf. 128,5). Darin offenbart sich das drollige Temperament des Steinmetzen dieses Sarkophages,
von dem er auch auf dem Deckel eine Probe gibt, wo auf der linken Seite (Taf. 108,1) die Heimführung
eines gefangenen Hirsches dargestellt ist 574. An Maul und rechtem Hinterlauf gefesselt, wird er von zwei
Jägern durch einen mit vier Bäumen angedeuteten Wald geführt. Möglicherweise soll das gefangene Wild
als Lockhirsch Verwendung finden. Den Hirschführern folgt ein Jäger, der ein Tier, wahrscheinlich einen
vom Eber verwundeten Hund, auf dem Rücken trägt und an den Läufen vor der Brust festhält. Auf der
rechten Deckelhälfte tragen zwei Männer den erlegten, verschnürten Eber an einem Tragholz. Der linke
hält einen Hund an der Leine. Ihnen folgen drei Männer mit dem langen, aufgerollten Netz. Auch hier
wächst im Hintergrund ein Baum auf. Den Rahmen der leeren Inschrifttafel halten zwei plumpe Eroten.
Den Sarkophag erweisen einige stilistische Züge als ein Werk, das deutlich auf der Grenze zwischen den
früh- und den spätkonstantinischen Sarkophagen steht. Gemeint sind nicht nur die schon erwähnte Form
der Bäume, der Schnitt der Köpfe und die Gestalt der Pferde, aussagekräftig ist vielmehr das Reliefgefüge.
Seit tetrarchischer Zeit war die Füllung des Reliefgrundes mit Figuren außerordentlich dicht und gedrängt.
Das ändert sich auch bei den frühkonstantinischen Exemplaren nicht. Bei dem Sarkophag in Potsdam-Sanssouci
(Kat. 73, Taf. 94,2.3) ist wieder mehr vom Reliefgrund freigelassen, doch erst auf dem Sarkophag in Arles
C (Kat. 3, Taf. 94,4) wird die Tendenz zu einer lockeren Anordnung der Figuren manifest, die auf den
Sarkophagen in Arles P (Kat. 4, Taf. 95,3) und im Konservatorenpalast (Kat. 112, Taf. 95,4) offensichtlich
ist. Überall sieht man hier die feste Wand des Reliefgrundes, vor der und an der entlang sich die Figuren
bewegen. Sie würden ihren Halt verlieren, wenn sie nicht zwischen den unteren und oberen Rand eingespannt
wären. Die im Verlauf der Reliefentwicklung des 3. Jahrhunderts geschaffene Überfangform wird aufgegeben
und durch ein neues Reliefgefüge ersetzt, das man im Sinne der in den gleichzeitigen Diatretgläsern verwirk-
lichten Form als Netzrelief bezeichnen könnte. Die Eigenart dieser Form zeigt sich am deutlichsten beim
spätesten Sarkophag der Reihe, im Konservatorenpalast (Kat. 112, Taf. 95,4). Für dieses neuartige Reliefgefüge
sind die Bäume charakteristisch, die hier als Stabilisierungsfaktor fungieren und deshalb nicht nur äußerlich
ein Indikator der Stilentwicklung sind, wie dies zunächst scheinen mochte, sondern gerade das Element,
das den Gesamteindruck bestimmt (Taf. 113,3). Sie bilden mit ihren Verästelungen das ä jour gearbeitete
Netzwerk, das die zwischen den oberen und den unteren Rand eingespannten Figuren hält und nachdrücklich
die vordere Reliefschicht markiert, aus der die Figuren ausgeschnitten sind wie die Blattdekoration byzanti-

dem Sarkophag in Potsdam-Sanssouci ist noch ähnlicher den Bild-
nissen seines Sohnes Konstantin II im Jugendalter: R. Calza, Ico-
nografia imperiale romana da Carausio a Giuliano (1972) 28off.,
besonders dem Porphyrkopf im Vatikan a.O. 28 5 f. Nr. 197
Taf. 100. 358. 359.
Vgl. Anm. 562.
Vgl. Anm. 416.

Deichmann-Bovini-Brandenburg (1967) 279fr. Nr. 680 Taf. 104.

105. - Himmelmann (1973) 15 ff. Taf. 20-25.- G. Daltrop, Osserva-
tore Romano 23724. Juli 1979, 3 erkannte, daß das Fragment Him-
melmann (1973) Taf. 31 Bruch auf Bruch auf die rechte Seite des
Deckels paßt.

Eine ähnliche Szene könnte auch auf dem an der entsprechenden
Stelle beschädigten Deckel des Sarkophages von Deols (Kat. 27,
Taf. 93,1) dargestellt sein.

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