Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (2): Mythologische Cyklen — Berlin, 1890

Seite: 37
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ACHILLEUS Tafel XIV. XV

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Auf der Vorderseite Fig. 25 die Entdeckung des
Achilles. Die, wie in der Regel auf den Sarkophagen dieser
Classe, streng symmetrische Composition ist in drei Grup-
pen gegliedert. In der aus zwei männlichen und zwei weib-
lichen Gestalten bestehenden Mittelgruppe erscheint rechts
Achilles in lebhafter Bewegung; das von langem lockigem
aber nicht weiblich frisirtem Haar umgebene Haupt wendet
et nach links; am linken Arm trägt er den Schild; der
techte das Schwert schwingende Arm ist zwar vom Ellen-
bogen an ergänzt, doch wird die Ergänzung durch einen
rechts neben dem Haar erhaltenen antiken Ansatz gesichert
und findet sich daher auch schon in den alten Handzeich-
nungen, Pozzo Windsor XVIII Fol. 83. VIII Fol. 14. Pozzo
Franks Fol. 98. Von der linken Schulter über das linke
Bein herab wallt ein langes, oben doppelt gelegtes Gewand,
ohne Zweifel der dorische Frauenpeplos, aus dem Achilles
sich gleichsam herauswickelt; auch trägt er am linken Fuss
noch den Frauenschuh, während der rechte nackt ist; der
abgestreifte Schuh ist indessen hier so wenig wie auf den
griechischen Sarkophagen dargestellt. Den linken Fuss hat
Achilles auf eine Beinschiene gesetzt, und weitere Waffen
liegen mit weiblichem Arbeitsgerät!! untermischt links am
Boden, zwischen den Füssen des Achilles ein umge-
stürzter Wollkorb und ein Schwert, weiter links zwischen
den. Beinen des Diomedes ein Rocken und ein zweiter um-
gestürzter Wollkorb, die Oeffnung dem Beschauer zuge-
kehrt, endlich links vom Schild des Diomedes ein Panzer.
Links hinter Achilles Deidamia im dorischen Peplos, das
gewellte Haar auf dem Scheitel in ein Nest zusammen-
gefasst; nach links bewegt wendet sie den Kopf nach
Achilles zurück und legt beide Hände auf seine Schultern,
als ob sie ihn mit sich fortziehen wollte. Vor ihr nach
links schreitend eine ihrer Schwestern, im kokett flatternden
dorischen Peplos und Schuhen, beide Hände voll Staunen
erhebend; der Kopf ist, und zwar nur bei dieser einen
Figur am ganzen Sarkophag, ergänzt, und wohl Arbeit des
Jahrh.; er fehlt auf der Zeichnung bei Franks Fol. 102,
erscheint aber bereits in dem Stich von Bartoli, der den
Sarkophag im Uebrigen ohne Ergänzungen giebt. Ent-
weder war also der antike Kopf bei der Auffindung noch
erhalten und ist erst nach Bartoli's Zeit verloren ge-
gangen oder der fehlende Kopf ist schon im 16. oder
l7- Jahrh. einmal ergänzt worden, später aber wieder ab-
gefallen oder absichtlich entfernt worden. Dass in den
älteren Zeichnungen der Kopf gleichfalls erscheint, kann
nach keiner Seite hin etwas beweisen, da in diesen über-
haupt alle Figuren ergänzt dargestellt sind und die Kopf-
haltung durch den antiken Ansatz gegeben war. Links
wird die Mittelgruppe durch Diomedes abgeschlossen,
der die Rechte auf seinen am Boden stehenden Schild
'egend mit der Linken sich den Helm zurecht rückt, wäh-
rend sein Blick auf Achilles gerichtet ist. Auf der linken

Schulter liegt das Ende der Chlamys mit zurückgeschobener
Spange.

Die Mitte der Seitengruppen nimmt beide Male ein
sitzender König ein; links, zuerst von Braun richtig be-
nannt, Lycomedes im kurzärmeligen Chiton und Mantel,
mit der im Schoosse ruhenden Linken den Griff seines
Schwertes umfassend, die Rechte auf seinen Sitz, einen
mit Löwenfüssen geschmückten Stuhl, über den ein Löwen-
fell gebreitet ist, aufstützend (vgl. 21 a). Sein Dory-
phöros, der mit Helm und Panzer gewappnet ist und in
der Linken einen Schild und zwei Lanzen hält, legt die
Rechte auf die Schulter eines vorüberschreitenden Kriegers,
als ob er an denselben eine Frage richte. Dieser in Helm,
Chlamys mit zurückgeschobener Spange und Stiefeln wen-
det den Kopf nach dem Doryphoros zurück. Mit der
Linken führt er ein sich bäumendes Ross am Zügel, die
Rechte hält einen Speer. Beide Hände und der Speer
sind ergänzt, aber in durchaus richtiger Haltung; die Stel-
lung des Speers ist durch einen am oberen Rand erhaltenen
antiken Ansatz gesichert. In diesem Krieger wird man
einen zum Gefolge des Agamemnon gehörigen Achaeer er-
kennen dürfen, welcher dem Achilles das ihm bestimmte
Schlachtross zuführt. Hinter Lycomedes ein behelmter
Krieger, in der Stellung des einen Dioscuren von Monte
Cavallo, nur dass er den rechten Fuss auf eine am Boden
liegende Beinschiene setzt. Obwohl diese Gestalt sich auch
der dargestellten Situation gut einordnet, hat sie doch vor-
wiegend den decorativen Zweck, die Scenc links abzu-
schliessen. Ihr Gegenstück, einen behelmten Krieger in
der Stellung des anderen Dioscuren, findet man indessen
nicht, wie man zunächst erwartet und wie es auf 26 that-
sächlich der Fall ist, an der rechten Ecke der Vorderseite,
sondern der rechten Schmalseite angebracht. Durch diese
beiden mehr decorativ gehaltenen Figuren werden also die
Vorderseite und die rechte Schmalseite, die ja auch die
reiche Ornamentik mit einander gemein haben, gewisser-
massen zu einer Einheit zusammengefasst, ohne Rücksicht
auf den Gegenstand der Darstellung, nach welchem viel-
mehr die linke Schmalseite enger mit der Vorderseite zu-
sammengehören würde.

In der rechten Seitengruppc bildet Agamemnon den
Mittelpunkt; er sitzt auf einem mit Rück- und Armlehne
versehenen Sessel, die Füsse auf einen Schemel mit Löwen-
füssen gestützt, das mit der Königsbinde geschmückte Haupt
nach Achilles hin erhoben. Ein Mantel ist um seine Beine
und über seinen linken Arm geschlagen; die linke Hand
umfasst den mit einem Widderköpfchen verzierten Griff
des an einem über die Brust laufenden Wehrgehänge
befestigten Schwertes; die richtig ergänzte Rechte stützt
sich auf das gleichfalls ergänzte Scepter, von dem sich
der untere Theil über dem Mantel des Agamemnon und
ein antiker Ansatz am oberen Rand etwas rechts von

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