Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard   [Hrsg.]; Robert, Carl   [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (2): Mythologische Cyklen — Berlin, 1890

Seite: 62
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TROISCHER KREIS

arbeitung unkenntlich gemacht zu sein. Das Pferd ist
angespannt zu denken; das zweite Pferd ist hier so wenig
wie auf 47 ausgearbeitet. Unter dem Pferde liegt hier eine
rückwärts niedergestürzte Amazone, die mit einem die
rechte Brust freilassenden Chiton beldeidet ist, im Haar
eine Binde trägt und in der Linken den Schild hält; wie
der an derselben Stelle auf 47 dargestellte Troianer, dient
sie sowohl zur Ausfüllung des Raumes wie zur Andeutung
des Schlachtfeldes. Ein hinter dem Rosse stehender jugend-
licher Krieger in Helm und Chlamys war wohl, wie die
entsprechende Figur auf 47, mit dem Abspannen der Pferde
beschäftigt, hält aber inne und macht, den Blick nach
rechts (auf die Leiche Hectors) wendend, mit der rechten
fälschlich als Faust ergänzten Hand eine theilnehmende
Geberde. Die Leiche des Hector, der diese Theilnahme
gilt, war indessen nicht, wie auf 47, vor dem Wagen und
den Pferden nach links liegend, sondern vermuthlich noch
an den Wagen gebunden nach rechts liegend dargestellt.
Weiter ist der behelmte Kopf und der rechte Arm eines
nach links gewandten Kriegers erhalten, der eine Last auf
der Schulter zu tragen scheint, vielleicht einen zu dem
Lösegeld für Hector gehörigen Panzer. Vor ihm steht ein
gepanzerter Krieger mit ausgestrecktem rechtem Arm 5
der Kopf, der rechte Vorderarm, der ganze linke Arm
sammt dem anschliessenden Theil des Oberkörpers sind
ergänzt.

49) F. verschollen, im 16. Jahrhundert in Rom.

Pirro Ligorio De luoghl delle sepulturc delle fameglie romane
et degli huomini inlustri 1550—1553, Cod. Neap. XIII B 10 (hcraus-
gegeb. v. H. Dessau Römische Reliefs beschrieben von P. Ligorio
in den Sitzungsberichten der königlich preussischen Akademie der
Wissenschaften 1883 S. 1100) Nr. 29: Di Hectore pianto da
Hecuba. Nella via Flaminia prima che sarrivi alla porta de la cittä
hora de/ Popolo, era un grau monumento, il quäle fu spiantato da
fundamenti, dove presso dt lui era un pezzo di un pilo, che fu
bell'tssimo, portato poi nella casa delli ruinatori, ma imperfetto per le
rotture, dove in quel che vera rimasto si vedeva una tale historia. Si
scorgeva in cio una donna che si dolea con un giovane che parea
facesse il medesimo, dove appiedi era uno armato cV ferito che demo-
strava cader da un carro tirato da dui cavalli, et si vedeva la lancia
d'un altro che fhavea data quella mortal ferita, il caso parea che
fusse stato sotto le mura d'una cittä, presso la porta. La donna era
vestita con un velo in testa, con la stola alla greca succinta & con el
pallio attorno, tutta dolente, con la sinistra sua si teneva il velo che gli
cadeva giuso dalla testa su le spalle con el volto alzato verso il cielo,
la mano destra tenea aperta et moderata aW effetto di cht si spaventa e
duole. II giovane anche non era meno demostrante il dispiacere, egli
bavea un cappucino in testa-, con Ii capelli longhi, con poca barba, con
una clamide indosso, con un farsetto succinto et con Ii stivaletti di
pelle leonina, con la faretra cinta & con la spada, con ambe le braccia
& mani accennava il caso mortale di colui cliera appie del carro;
il quäle potrebbe esser Hcctore, el giovane che si duole Paris, & la
donna Hecuba loro madre.

Dessau bemerkt zu dieser Beschreibung: „Verdächtig,
auch durch die Ortsangabe. Möglicherweise verdankt dieses
Capitel seine Entstehung der Erinnerung an eine Dar-
stellung der Heimtragung Meleagers nach Art der jetzt in
Villa Pamfili befindlichen (abgebild. Monumenti delP Instituto
IX tav. 2 nr. 2), wo ebenfalls hinter einem Wagen und
einem zu Boden sinkenden Krieger eine Stadtmauer mit
Stadtthor sichtbar wird." Ich sehe für diese Verdächtigung
keinen stichhaltigen Grund. Die „Hecuba" stimmt, ab-
gesehen von der Haltung der rechten Hand, durchaus mit
der Andromache auf 47 c, der „Paris" könnte einer der
troianischen Begleiter des Priamus, die „faretra cinta" ein
missverstandener, von ihm auf dem Rücken getragener
Panzer sein. Nur dass Hector bewaffnet gewesen sein soll,
kann stutzig machen. Sonst könnte das Stück unbedenklich für
eine Replik von 47. 48 gelten, und wenn Ligorio nicht aus-
drücklich von zwei Pferden spräche, könnte man sogar ver-
muthen, dass es derselbe Sarkophag sei, von dem 48 herrührt.

50) F. Theben, im Museum (2), früher in der o^ixotlk^
ofokij Fig. 50. „Pentelischer Marmor. Sorgfältige römische
Arbeit" Koerte. L. 0.55. H. 1,00. Rclieferhebung 0,04. Nach
einer freundlichst zur Verfügung gestellten Skizze von
Friedrich Koepp.

Litte ratur: Koerte Mittheilungen des Deutschen archäologi-
schen Instituts in Athen III 1878 S. 416 Nr. 196.

Linke Ecke der Vorderseite eines griechischen Sarko-
phags. Der obere Rand zeigt ein von zwei Perlenstäben
eingefasstes friesartiges Ornament, in dem Medusenköpfe
mit einem triglyphenartigen Gebilde abwechseln. Darüber
ein schmaler, glatter Streifen, vgl. 25.

Erhalten ist eine vor einem Thorbogen sitzende junge
Frau, in Haltung und Gewandung der Andromache von
47 c fast genau entsprechend, nur dass sie mehr in Vorder-
ansicht sitzt und der Chiton von der rechten Schulter etwas
herabgeglitten ist. Im Hintergrund, der Andromache zu-
gewandt, eine Frau in Chiton und Schleier, das Kinn
traurig in die rechte Hand stützend; sie entspricht genau der
auf 26 c und 54 neben Achilleus und 45 neben Andromache
stehenden Figur, weniger genau aber doch noch so weit, dass
die Identität kaum zweifelhaft erscheint, der Hekabe auf
47 c. Vor ihr steht ein alter bärtiger Mann in etwas vor-
gebeugter Haltung; er ist mit einem langen Aermelchiton
und über den Kopf gezogenem Mantel bekleidet; beide
Arme sind gebogen und vorgestreckt; die Vergleichung
mit 47 lässt in der Gestalt den Priamos erkennen; ver-
muthlich hielt er wie dort in der einen Hand den Stab.
Es sind also in dieser linken Eckgruppe die Angehörigen
des Hektor, und zwar in tiefer Trauer, dargestellt. Da-
nach darf angenommen werden, dass in der Mitte ent-
weder die Schleifung des Hektor, wie auf 45, oder die
Abwägung seiner Leiche, wie auf 47, dargestellt war.
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