Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard   [Hrsg.]; Robert, Carl   [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (2): Mythologische Cyklen — Berlin, 1890

Seite: 108
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TROISCHER KREIS

ten und gepufften Haar fallen lose Locken auf beide Schul- Auf den Schmalseiten Fig. 87 a. Fig. 87b ein Flügel-

tern herab. Rechts lehnen Bipennis und Pelta. Ein Thor- ross. Darunter auf der rechten Schmalseite ein Palmzweig,
bogen schliesst die Darstellung an der rechten Ecke ab. Dieser Gruppe verwandt ist auch 103 (s. unten).

e) vierte romische gruppe: penthesilea-sarkophage.

Tafel XXXVII. XXXVIII

88) P. Rom, Pal. Borghese, im Garten über dem
Brunnen eingemauert. Fig. 88. L. 2,18. H. 0,80. Zeich-
nung von Eichler 1875.

Der Garten gehört zu dem von Flaminio PoWzio unter Papst
Paul V (1605—162 1) angelegten Theil des Palastes.

Litteratur: E. Visconti // Museo Pio-Clementino V 1796
p. 40 n. g; Welcker Zeitschrift für Geschichte und Auslegung
der alten Kunst 1818 S. 432 A. 104; Matz und von Duhn An-
tike Bildwerke in Rom II S. 455 Nr. 3355.

In der Mitte Achilles im Helm und langer, auf der
rechten Schulter gehefteter, um die Hüften durch einen
Gürtel zusammengehaltener Chlamys. Den Kopf nach
links zurückgewendet, die erhobene linke Hand auf eine
(oben gebrochene) Lanze gestützt, hält er auf seinem vor-
gestellten linken Bein die sterbend zusammenbrechende
Penthesilea, mit dem rechten Arm ihren Leib um-
fassend. Penthesilea, die einen beide Brüste bedecken-
den tief gegürteten Chiton trägt, legt ihren rechten Arm
auf die linke Schulter des Achilles und hält an dem ge-
senkten linken Arm die Pelta, in der linken Hand einen
gebrochenen Stab, ohne Zweifel den Schaft der Bipennis.
Vor ihr liegt am Boden ihr mit einer befranzten Schabracke
bedecktes Pferd, das sie, wie die Stellung des Halses zeigt,
mit zurückgewendet erhobenem Kopf anschaute; vgl. 86.
87. Die Gesichter beider Figuren sind abbozzirt, sollten
also die Porträtzüge der in dem Sarkophag Bestatteten
erhalten. Die ganze Gruppe erinnert wohl nicht bloss
zufällig an die unter dem Namen des Pasquino berühmte
Gruppe des die Leiche des Patroklos rettenden Menelaos.

In der linken Seitengruppe der die nach rechts galop-
pirende Amazone bei den Haaren fassende jugendliche
Krieger wie auf 87. Links über dem Krieger sprengt eine
zweite Amazone im Helm, einem die rechte Brust frei-
lassenden Chiton und Stiefeln ihrer Gefährtin zu Hilfe;
sie trägt am linken Arm die Pelta, hält in der weit vor-
gestreckten Linken den Zügel und schultert mit der Rech-
ten die Bipennis. Rechts vor dem Pferd der fliehenden
Amazone wird der behelmte Kopf eines gepanzerten Krie-
gers sichtbar; die erhobene Stellung des Kopfes macht es
wahrscheinlich, dass er in die Trompete blies. Wahr-
scheinlich gehört zu ihm auch der erhobene Pferdekopf,

der zwischen den Köpfen des Achilles und der Penthe-
silea sichtbar wird. Man würde sich dann vorzustellen
haben, dass er nach rechts sprengend sich umkehrt und
in die Trompete stösst. Der links von ihm in flachem
Relief ausgeführte behelmte Kopf gehört nach der Form
des Helmes einer Amazone. Im unteren Raum links eine
gestürzte Amazone, rechts ein gestürzter Krieger. Die
Amazone, die einen die rechte Brust freilassenden Chiton
mit gegürtetem Ueberschlag trägt, scheint im Begriff zu sein,
von ihrem gestürzten Ross abzusteigen, vgl. 6g. 70. Die
rechte Hand war vielleicht auf den Rücken des Pferdes
aufgestützt; am linken Arm trägt sie den Schild. Der
gestürzte, mit Panzer und Wehrgehäng gerüstete Krieger
hat dieselbe an den sterbenden Gallier erinnernde Stellung
wie die rechte Eckfigur von 6g.

In der rechten Seitengruppe dieselbe in vorgebeugter
Haltung nach rechts sprengende Amazone, die an der
gleichen Stelle auf 87 erscheint. Doch eilt sie hier nicht
einer gefährdeten Genossin zu Hilfe, sondern wird selbst
von einem bärtigen Krieger angegriffen, der mit vorge-
streckter Linken den Zügel ihres Pferdes erfasst. Dieser
Krieger trägt Helm, Chlamys und an einem Wehrgehäng
die leere Scheide; somit ist in der nicht sichtbaren, jeden-
falls gesenkt zu denkenden Rechten das gezückte Schwert
vorauszusetzen. Weiter rechts folgt ein in Vorderansicht
stehender Krieger, der, in der Linken den Schild, über der
Brust das Wehrgehäng, das Schwert zum Schlag gegen
eine nach rechts galoppirende Amazone erhebt, die sich
mit geschwungener Bipennis vertheidigt. Der Kopf der
Amazone war ohne Zweifel nach rechts dem Gegner zu-
gewandt; am linken Arm trägt sie den Schild; bekleidet
ist sie mit gegürtetem Chiton, der die rechte Brust frei-
lässt. Im Hintergrund eine fliehende Amazone im gegür-
teten Chiton, auf einem gestreckten Laufs nach links
eilenden Ross; den rechten Arm streckt sie vor; in der
gesenkten Linken wird der Schaft ihrer Waffe sichtbar,
zu dem indess die über dem Pferdekopf angebrachte
Bipennis schwerlich gehören kann. Im unteren Raum
I ist links noch eine dritte Kampfscene angebracht. Eine
von ihrem gestürzten Ross sich erhebende (vgl. 6g. 70),
mit vorgestreckter Linken sich an die Mähne haltende
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