Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard   [Hrsg.]; Robert, Carl   [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (2): Mythologische Cyklen — Berlin, 1890

Seite: 127
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AMAZONEN Tafel XLIV

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1:1 agt, streckt den linken Arm entsetzt von sich und um-
fasst mit der Rechten den Schaft des Speeres, vgl. 7g a.
So b. Dasselbe Motiv findet sich bereits bei einer Kämpfer-
gruppe des Heroon von Gjölbaschi (abgeb. Benndorf Das
Heroon von Gjölbaschi-Trysa 1889 Taf. 10 A 5) und bei
der Gruppe der Parthenos Dike und ihres Gegners auf
dem pergamenischen Zeusaltar (s. Puchstein Zur perga-
n^enischen Gigantomachie in den Sitzungsberichten der
königlich preussischen Akademie der Wissenschaften zu
Berlin 1888 S. 1243). Gegen den Krieger hebt eine nach
rechts forteilende Amazone, in deicher Tracht wie die
crueende, aber ausserdem im Helm, mit beiden Händen
^re Bipennis zum Schlag empor. Es folgt rechts eine
nach, links galoppirende Amazone in Aermelchiton, bogen-
förmig flatternder Chlamys und Stiefeln; sie ist ohne
Waffen und dreht den unbedeckten Kopf nach rechts zu-
ruck, ist also wohl auf der Flucht begriffen. Unter ihrem
v°ss Hegt ein nackter, mit Helm und Schild gerüsteter
Krieger am Boden; die rechte Hand drückt er gegen die
Seite, wohl auf eine hier vorauszusetzende Wunde. In
entgegengesetzter Richtung wie die Amazone sprengt ein
^endlicher Krieger mit Helm, Panzer, flatterndem Palu-

amentum und Stiefeln, in der gesenkten Rechten das ge-
bückte Schwert. Unter seinem Ross liegt die aus dem
attahschen Weihgeschenk copirte, todte Amazone (vgl.
?5- 89. gj, gg)5 deren linkes Bein hier in die Höhe gezogen
lst; die rechte Hand hält keine Waffe. Dann erst folgt

le Gruppe von Achilles und Penthesilea. Die Stel-
lung des Achilles ist ungefähr dieselbe, wie auf 88. 89. 90.
92- 94. gg. gö, g^ gg. gg. ioo; nur umfasst er hier mit
beiden Händen die zusammenbrechende Penthesilea; er ist

arhäuptig, wie auf gg, und bis auf die im Rücken flat-
ternde Chlamys völlig nackt. Penthesilea ist tiefer hinab-
gesunken, als sonst, und hält sich nur mühsam mit dem
Achten Arm an der linken Schulter des Achilles; das
Haupt und der die Pelta haltende linke Arm hängen matt
Wab (Vgl. 104); das gescheitelte Haar ist hinten in einen

Noten zusammengebunden, die Kleidung ist die gewöhn-
te, nur fehlt der Mantel. Eine sehr bewegte Scene
Sc'üiesst die Darstellung am rechten Ende ab. Auf einem
Zwei wild dahinsprengenden Hengsten gezogenen
reitwagcn steht eine Amazone in derselben Haartracht
Und Gewandung, wie Penthesilea; sich nach rechts um-

endend zückt sie mit der erhobenen Rechten einen kurzen

Peer gegen ihren Verfolger, einen jugendlichen, nackten
Sieger, der am linken Arm den Schild trägt und die
^Ccbte, ohne Zweifel mit dem Schwert zu denkende Hand
tj.Ilter den Kopf zum Schlag erhebt. Der grosse, von
eser Scene eingenommene Raum, die ungewöhnliche Er-
leinung einer Amazone auf dem Streitwagen und die
^ehwerlich zufällige Aehnlichkeit dieser Amazone mit der

eNthesilea in der links anschliessenden Gruppe machen

es wahrscheinlich, dass der Verfertiger nicht ein beliebiges
Kämpferpaar, sondern abermals Achilles und Penthe-
silea gemeint hat und dass somit die ganze Darstellung in
zwei zeitlich aufeinanderfolgende, wenn auch in ihrer Aus-
dehnung sehr ungleiche Scenen zerfällt, ähnlich wie auf 45,
nur dass hier der frühere Vorgang, die Verfolgung der
Penthesilea rechts, der spätere, ihr Tod, links gestellt ist.
Unter den Rossen ist die auf ihr Gesicht gestürzte, todte
Amazone angebracht, fast genau wie in der linken Seiten-
gruppe von 77. 7g. 80, nur dass die rechte Hand hier
weder eine Waffe hält noch im Todeskampf sich in den
Boden eingräbt, sondern flach auf der Erde liegt. Am
rechten Ende ein Thorbogen. Unter der ganzen Dar-
stellung ist Terrain angedeutet.

Auf der rechten Schmalseite ein Greif, die linke ist

leer.

106) F. Rom, S. Lorenzo fuori le mura, im
Kreuzgang. Fig. 106. L. 1,45. H. 0,53. Relieferhebung 0,02.
Das sehr flache Relief, die ungewöhnliche Umrahmung
und das am linken Rande erhaltene Klammerloch machen
es wahrscheinlich, dass das Fragment von einem der sel-
tenen Sarkophage herrührt, die nicht aus einem Marmorblock
gefertigt, sondern aus besonders gearbeiteten Platten zu-
sammengesetzt waren. Die Arbeit ist roh und flüchtig,
aber keineswegs spät. Zeichnung von Eichler 1884.

Litteratur: Matz und von Duhn Antike Bildwerke in Rom
1881 II S. 457 Nr. 33^.

In der Mitte die gewöhnliche Gruppe von Achilles
und Penthesilea; Achilles stützt die hocherhobene linke
Hand auf den Speer, wie auf go. g8, Penthesilea hält in der
Linken noch die Bipennis; rechts ihr gestürztes Ross, vgl.
88. 8g. go. g6.

In der linken Seitengruppe nur die beiden Haupt-
figuren in derselben Haltung, wie 87. 88. g2. g7- g8;
die Amazone sucht hier nicht die Hand des Kriegers von
ihrem Haar zu lösen, sondern streckt die linke, die Pelta
tragende Hand weit vor; in der gesenkten Rechten hält
sie die Bipennis. In der rechten Hand des Kriegers ist
das gezückte Schwert erhalten. Unter dem Ross der
Amazone ist ein grosser Helm mit dreifachem Busch an-
gebracht. Hinter den Beinen des Kriegers liegt eine ver-
wundete Amazone in Helm und Chiton mit gegürtetem
Ueberschlag am Boden; das Gesicht zur Erde gekehrt
umfasst sie mit beiden Händen einen undeutlichen Gegen-
stand, vielleicht ihre Bipennis.

Von der rechten Seitengruppe ist nur die mit erhobe-
ner Bipennis nach rechts sprengende Amazone in Helm,
Chiton mit gegürtetem Ueberschlag und Stiefeln erhalten,
vgl. 87. 88. 8g. 90. 92. 94. g5. gg. 101. Der unklare Rest
in der rechten unteren Ecke rührt wohl von einem Ge-
fallenen her.
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