Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard   [Hrsg.]; Robert, Carl   [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (2): Mythologische Cyklen — Berlin, 1890

Seite: 178
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TROISCHER KREIS

In der erhobenen Linken hält er die Schwertscheide, in j ausgeschlossen, dass diese Orestts insania des Theon mit

der gesenkten Rechten das gezückte Schwert, mit dem er dem Gemälde der Ermordung der Clytaemestra (vgl. 155

die Rinder der scythischen Hirten getödtet hat, im Wahn bis 161) identisch war, welches Plinius kurz vorher aus

die Furien von sich abzuwehren. Bekleidet ist er mit anderer Quelle, die den Maler mit der volleren Namens-

einer auf der rechten Schulter gehefteten Chlamys. Der
hinter ihm stehende Pylades, auf dessen linker Schulter
die Chlamys lose aufliegt, fasst ihn sich niederbeugend
mit der Rechten unter der Schulter, V. 310

ärspog hs roiv givoiv
ä(f>p6v r äftsipr/ zu/jLaTog r emtjfJt£kei
Rechts wird hinter rauhen Uferfelsen der Oberkörper
einer Furie sichtbar, die nach rechts enteilend auf Orestes
zurückblickt, der künstlerische Ausdruck für das Nachlassen
des Wahnsinns. Die Furie trägt einen ärmellosen Chiton
und eine im Rücken flatternde kurze Chlamys. Ihr wirres
Haar weht lose im Winde. In der gesenkten Rechten
trägt sie eine Peitsche, in der Linken eine brennende
Fackel, um die sich eine ihren Kopf nach Orestes hin vor-
streckende Schlange windet. Die Gruppe der beiden
Freunde kehrt, nur nach der anderen Seite gewandt, auf
einem decorativen Wandrelief etwa Augusteischer Zeit,
das aus Pal. Rondinini in den Lateran gelangt ist, wieder,

ORESTES UND PYLADES, RELIEF IM LATERAN

s. die beistehende Textabbildung, Zeichnung von C. L.
Becker nach Photographie (vgl. Winckelmann Monumenti
antichi inediti II nr. 150; Benndorf und Schöne Die antiken
Bildwerke des lateranensischen Museums S. 331 Nr. 469).
Auch das Fragment einer Metope von dem Athenatempel
in Neu-Ilion (abgeb. Archäologische Zeitung XLII 1884
Taf. 14 Nr. 35 Schliemann Troja S. 222 Nr. 106') enthält
eine ähnliche Gruppe. Dass das gemeinsame Original des
lateranensischen Reliefs und der Sarkophagdarstellung das
Gemälde des Theon sei, welches Punius nat. bist. 35,
144 im alphabetischen Malerkatalog als Orestis insania auf-
führt, hat schon Winckelmann ansprechend vermuthet.
Auch die Metope von Neu-Ilion könnte sehr wohl von
Theon beeinflusst sein. Doch ist auch die Möglichkeit,
für die sich Brunn und Benndorf entschieden haben, nicht

form Theorus nannte, anführt; vgl. S. 169.

An die Mittelscene schliesst sich, durch einen Baum
getrennt, zunächst die linke Eckscene, in der Iphigenia,
Orestes und Pylades und der sie bewachende Scythc
genau in derselben Haltung erscheinen, wie in der Mittel-
scene am Deckel von 155 (vgl. auch 157b). Doch ist nicht
wie dort der Gang zum Meere, sondern ein früherer
Moment gemeint, in dem Iphigenia auf den Tempel
zuschreitet, um das Dianabild zu holen. Daher ist
die Figur des Thoas weggeblieben, und Iphigenia hält in
der Linken statt des Götterbildes das in der Scheide
steckende Opferschwert. Der Scythe trägt in der Linken
ein in der Scheide steckendes Schwert, wie auf 157b;
auch die Drapirung der beiden Gefangenen ist dieselbe wie
dort. Iphigenia trägt einen von der linken Schulter ab-
gleitenden Chiton. Das Dianabild steht in einer offenen
Kapelle, deren mit Zahnschnitt geschmücktes Gebälk von
zwei gedrehten Säulen mit Volutencapitellen getragen wird.
Auf runder, mit einer Guirlande geschmückter Basis steht
die Göttin mit linkem Stand- und rechtem Spielbein ruhig
da, gekleidet in einen ärmellosen Chiton mit Ueberschlag,
das Haar hinten in einen Knoten zusammengebunden.
In der vorgestreckten Linken hält sie die leere Schwert-
scheide; mit Recht ist ihr daher von dem Ergänzer (nach
1817) in die andere Hand das gezückte Schwert gegeben
worden; nur hielt sie es wohl ursprünglich nicht gesenkt,
sondern erhoben. Das Bild trägt somit dieselben Attribute,
wie das hochalterthümliche Artemisidol aus Marseille (abgeb.
Revue archeologique, Illieme serie, VIII 1 1886 pl. 26, vgl.
Bazin ebenda p. 260), Attribute, die dem Namen "kpraßig
„die Schlächterin" besonders entsprechen; vgl. Preller
Griechische Mythologie 4. Aufl. S. 297 A. Vor dem Bilde
brennt auf einem bronzenen Tragaltar ein Opfer von
Früchten, unter denen man einen Apfel und einen Pinien-
zapfen erkennt. An den vor dem Heiligthum ausgestreckten
Aesten eines starken Baumes sind zwei abgeschnittene
Menschenköpfe aufgehängt, Euripides Iphigen. Taur. V. 74

OP. üpiy/coig vir' avroig skvX' opäg y/pr^jusva;
IIY. räv naTiyavwTW y (k/cpod-ivia %kww.

Vgl. Herodot IV 103. Weiter unten am Stamm sind ein
Bukranion und ein in der Scheide steckendes Schwert be-
festigt. Am Fuss des Stammes lehnt eine Schaufel, die
pala, die vermuthlich dazu gedient hat, die Opferfrüchte
auf den Altar zu schütten. Vgl. die ähnliche, nur rund ge-
formte Schaufel aus Thon, die zusammen mit einer ovalen
Schüssel in den Gräbern bei Villa Corsini an der Via
Aurelia gefunden ist (abgeb. P. Sante Bartoli Gli antichi
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