Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (2): Mythologische Cyklen — Berlin, 1890

Seite: 180
Zitierlink: 
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/asr2/0198
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
i8o

TROISCHER KREIS

Rom bekannt, wie der Stich des Agostino Veneziano und die
Zeichnung im Coburgensis beweisen. Wahrscheinlich befand sie
sich in Pal. Carpi. Dort sah nemlich Pirro Ligorio ein Frag-
ment, das aller Wahrscheinlichkeit nach mit 168 identisch ist und
das er im Cod. Neap. XIII B 10 nach einer der Freundlichkeit
von H. Dessau verdankten Abschrift folgendermassen beschreibt:
„Di Hecate (hier folgt zunächst die Beschreibung eines vielleicht
mit i7ob + i7oc identischen Bruchstücks; dann fährt Ligorio
fort:) Un altro simile frammento e a Roma nelle belle antichita
raecolte dal Card, di Carpi, dove sono i figliuoli di Borea (gemeint
sind die drei Scythen) che sacrificano huomini forestieri ad Hecate".
Noch zu Pozzo's Zeit war das Fragment ungebrochen. Im acht-
zehnten Jahrhundert befand sich die linke Seite des Fragments 168
im Besitz des Cardinal Alessandro Albani, der sie ergänzen liess und
als Wandschmuck in seiner 1757—1758 erbauten Villa verwandte.
1797 scheint dieses Bruchstück mit nach Paris gekommen zu
sein. Wenigstens wird es in dem Verzeichniss der verpackten Stücke
aus diesem Jahre abgedr. in der Correspondance de Napoleon Ier III
1859 p. 502 nr. 257 A(lbani) 199 ausdrücklich genannt. Be-
fremdlicher Weise erwähnt trotzdem Fea in der Indicazione anti-
quaria per la Villa Albani von 1803 das Fragment an seiner alten
Stelle in Villa Albani. Danach müsste dies eine Stück schon vor
1815 aus Paris zurückgekommen sein. Vielleicht darf aber auch
die Vcrmuthung ausgesprochen werden, dass die Replik 170b + 170c,
die sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch in Villa Albani be-
fand, in der Zwischenzeit seine Stelle einnahm. Das andere Stück
167a scheint sich seit Anlage des Museo Chiaramonti um 1804
an seinem jetzigen Platz zu befinden; erwähnt wird es dort zuerst
von Zoega 1808.

Alte Zeichnungen: Francesco Veneziano detto il Battistino
Florenz in den Urfizien Nr. 7972 aus der Collezione Santarelli
(s. Catalogo della Raccolta di Disegni autografi anficht e moderni
donata dal Prof. E. Santarelli alla R. Galleria di Firenze 1870
p. 522 nr. 1); Coburgensis Fol. 64 Nr. 206 Fig. 168'; dem Bandi-
nelli zugeschrieben, erwähnt von Bartsch Le peintre-graveur XIV
p. 159, vielleicht identisch mit der folgenden; „Pozzo" Franks
Fol. 64.1 ergänzte Skizze aus dem Ende des 16. Jahrhunderts (auf
der Vorderseite des Blattes der Amazonensarkophag 79 s. S. 96);
Pozzo Franks Fol. 35 (113) in der Zeichnung ähnlich ergänzt
wie das vorige Blatt.

Einzelstich: Agostino Veneziano (Bartsch XIV p. 159
nr. 194) ähnlich ergänzt, wie die beiden Pozzo-Zeichnungen (vgl.
von Pulsczky Beiträge zu Raphaels Studium der Antike S. 26;
Thode Die Antiken in den Stichen Marcanton's, Agostino Vcne-
ziano's und Marco Dente's S. 12 Nr. 20; H. Delaborde Marc
Antonio Raimondi p. 2 23 nr. 194). Das Albanische Bruchstück auch
auf dem Gemälde von Tischbein Goethe in Italien aus dem
Jahre 1787.

Abbildungen von 168: Guattani Monumenti antichi inediti
ovvero Notizie sulle antichita e belle arti di Roma per (anno 1786,
Novembre e Decembre, tav. 1. — Zoega Bassi Rilievi 1808 II tav. 56.

Litteratur: 168 Pirro Ligorio De luoghi delle sepulture delle
fameglie romane et degli huomini inlustri 1 5 5 o— 1553 Cod. Neap,
XIII B 10, s. oben; Winckelmann Monumenti antichi inediti 1767
II /'. 200; Guattani a. a. O. p. 81; Morcelli Indicazione anti-

quaria per la Villa suburbana dell' Eccellentissima Casa Albani 1785
p. 25 nr. 199; Correspondance de Napoleon Ier III 1859 p. 502;
Fea Indicazione antiquaria per la Villa suburbana dell' Eccellentissima
Casa Albani 1803 p. 20 nr. 192; Zoega a. a. O. p. 9 (= App.
Fol. 192 uu); Uhden Abhandlungen der philosophischen Klasse
der königlich preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin
aus dem Jahre 1813, 1816, S. 88; Millin L'Oresteide 1817 p. 20
n. 1 ; K. O. Müller Handbuch der Archäologie der Kunst 1830
S. 477 § 365, 5. S. 578 (3. Aufl. von Welcker 1848 S. 719)
$416, 2; Raoul Rochette Monumens in'edits 1827—1833 P- 200
n. 35 Welcker Rheinisches Museum IV 1836 S. 605 (= Die
Griechischen Tragödien III 1841 S 1168) Nr. 3; Beschreibung
der Stadt Rom III 2, 1838, S. 506; Grifi Atti della Pontificia
Accademia Romana di archeologia X 1842 p. 323 n. 4; Urlichs
Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden in den Rheinlanden

I 1842 S. 64 Nr. 5; Preller Berichte über die Verhandlungen
der königlich sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig

II 1850 S. 247; Braun Die Ruinen und Museen Roms 1854
S. 698 Nr. 90; Overbeck Die Bildwerke zum thebischen und
troischen Heldenkrcis 1857 S. 726 Nr. 72. Nr. 74; Garrucci
Monumenti del Museo Lateranense 18 61 p. 3; Ampere Histoire ro-
maine ä Rome III 1862 p. 468 ».• 1; Morcelli-Fea-Visconti La
Villa Albani ora Torlonia descritta 1869 p. 37 nr. 205; Matz
Monatsberichte der königlich preussischen Akademie der Wissen-
schaften zu Berlin 1871 S. 492 Nr. 206; Robert Archäologische
Zeitung XXXIII 1875 S. 138 E; M. Jacobson De fabulis ad Iphi-
geniam pertinentibus (Diss. inaug. Regimont.) 1868 p. 42. —
168a Zoega App. Fol. 566 Nr. 18 (vgl. Welcker Die Griechi-
schen Tragödien III 1841 S. 1169); Beschreibung der Stadt Rom II
2, 1834, 83 Nr. 686; Welcker a. a. O.; Descrizione dei Musci
Vaticani-, il Museo Chiaramonti p. 221 nr. 688; Robert Archäo-
logische Zeitung XXXIII 1875 S. 138 C.

Linke Hälfte der Vorderseite von einer Replik von
167. Von der JVlittelscene sind die fragmentirten Figuren
des Orestes und Pylades und der flatternde Mantel der
Furie erhalten. Von dem rechten Arm des Orestes rührt
der Ansatz am rechten Unterschenkel des Pylades her;
die rechte Hand mit dem Schwert ist, wenn auch sehr
verstümmelt, noch über dem unteren Rande kenntlich.

Die linke Eckscene enthält dieselben Figuren wie 167,
ausserdem aber noch zwei weitere bärtige Scythen als
Wache für die Gefangenen. Beide tragen, wie der den
Zug schliessende Scythe, phrygische Mütze (bei dem zwei-
ten übersehen Fig. 168'), gegürteten Aermelchiton, Hosen
und Schuhe. Der vordere, der hinter Iphigenia steht,
kehrt sich nach den Gefangenen um; in der Linken hält
er einen Speer. Der zweite schreitet hinter Pylades her;
die erhobene auf den Speer gestützte Rechte Fig. 168'
wird jetzt durch den modernen Kopf des Pylades ver-
deckt. Der Scythe am Ende des Zuges wie auf 157 b. 167,
nur hat er hier das Schwert gezogen und trägt an der
Seite die an einem quer über die Brust laufenden Wehr-
gehäng befestigte Scheide. Etwas abweichend von 167 ist
das Dianaheiligthum dargestellt. Ein hinter Orestes
loading ...