Robert, Carl   [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard   [Hrsg.]; Robert, Carl   [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,1): Einzelmythen: Actaeon - Hercules — Berlin, 1897

Seite: 115
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J. HERAKLES.

Die verhältnissmässig häufige Verwendung von Hera-
klesdarstellungen auf Sarkophagen lässt erkennen, dass die
Auffassung dieses Heros als eines „Ideals menschlicher Voll-
kommenheit, geweiht dem Heile der Menschheit", wie es
Buttmann schön ausgedrückt hat, auch dem späten Alter-
tum nicht verloren gegangen war.

Ich habe die hierher gehörigen Sarkophage in drei
Classen getheilt, von denen die beiden ersten die Dar-
stellungen des Zwölfkampfes und der Schlangenwürgung
umfassen, die dritte die der Parerga. Die erste Classe bilden
die wenigen erhaltenen griechischen Exemplare mit den
Arbeiten oder der Schlangenwürgung (g8—100), die zweite
umfasst die römischen (101—130), die wieder in drei Grup-
pen zerfallen. Die dritte Classe mit den Parerga ent-
hält sowohl griechische als römische Exemplare (131—142).

Die griechische Classe illustrirt ausser einzelnen der
zwölf Arbeiten (98—99) einmal auch die früheste That des
Herakles, die Erwürgung der von Hera gesandten Schlangen.

Die zweite Classe, die der römischen Sarkophage mit
dem Zwölfkampf, gliedert sich wieder in drei Gruppen.
Die erste (101—Iii) bringt die sämmtlichen Arbeiten an
dem Sarkophag selbst an, und zwar nach dem ursprünglichen
durch 101. 102 (+ 109). 105. in repräsentirten Schema in
der Art, dass die zehn früheren Thaten auf die Vorderseite,
die beiden letzten auf die Schmalseiten') zu stehen kom-
men. Die Ordnung ist die folgende:

Vorderseite

1) Löwe.

2) Hydra.

3) Eber.

4) Hirsch.

5) Stymphaliden.
6") Amazonen.

7) Augeas-Stall.

8) Stier.

9) Rosse.

10) Geryones.
Rechte Schmalseite

n) Cerberus.
Linke Schmalseite
__12) Hesperiden.

1 Dies hat schon Petersen Annali äelF lnstittito XXXII 1860 p. 3-3
richtig vermutet.

Die Reihenfolge ist somit dieselbe wie in den bekannten
Memorialversen der griechischen und lateinischen Antho-
logie {Äntholog. graeca XVI 92; Anth. lat. 617 Riese), die sich
auch auf der von Choricius p. 152 Boiss. beschriebenen Son-
nenuhr und auf dem Mosaik von Cartarma«findet {Annali
deW lnstittito XXXIV 1862 tav. cVagg. OJ. Von der bei
DiodorIV 11 und auf der Tabula Albani (Kaibel Inscriptiones
graecae Italiac et Siciliac 1293) befolgten unterscheidet sie
sich nur dadurch, dass die Amazone, die dort an neunter
Stelle zwischen den Rossen und dem Geryones steht, an
die sechste zwischen Stymphaliden und Augeasstall gerückt
ist. Dagegen ist bei Hygin fab. 30 und auf der Ära Capi-
tolina ausserdem die Reihenfolge innerhalb des letzten
Paares, bei Apollodor II 5 innerhalb der fünf letzten Paare
die umgekehrte; vgl. Zoega Bassirilievi II p.$osqq., Klüg-
mann Annali dell' lnstittito XXXVI 1864 P- 3'°- Die Um-
stellung des Amazonen-Abenteuers, durch die das von
Klügmann erkannte Princip der paarweisen Gruppirung
aufgehoben wird, scheint demnach in der römischen Kai-
serzeit erfolgt zu sein. Offenbar sollte diese That da-
durch besonders hervorgehoben werden, dass sie die erste
Hälfte der Arbeiten abschliessend den Ehrenplatz in der
Mitte erhielt. Da nun keines der erhaltenen Exemplare
älter als das Ende des zweiten Jahrhunderts zu sein scheint,
so möchte man vermuthen, dass die Neuerung mit der
Vorliebe des Kaisers Commodus für Hercules und speciell
für dessen Amazonenzug in Verbindung steht, für die uns
neben den litterarischen Zeugnissen die bekannte Büste vom
Esquilin eine interessante Illustration bietet {Bullettino della
Commissione archeologica comunalc di Roma III 1875 tav- !• IL
XIV. XV p. 3 ff. p. 140 ff.; Helbig Führer II Nr. 555). Auf
107 und wahrscheinlich auch auf 104 und 110 ist das Grund-
schema in der Weise variirt, dass nur die acht ersten
Thaten, also Löwe bis Stier auf die Vorderseite, dagegen
die neunte und zehnte, Rosse und Geryones, auf die rechte,
die beiden letzten, Cerberus und Hesperiden, auf die linke
Schmalseite gestellt sind. Neun Thaten, Löwe bis Rosse,
auf der Vorderseite zeigen 103. 1031. 106. Bei 103 und 1031
enthält die rechte Schmalseite sowohl den Geryones als den
Cerberus (s. den Text). Auf 106 ist der Geryones ganz
weggeblieben, und die beiden letzten Thaten, Cerberus und
Hesperiden, sind nach dem Grundschema auf die Schmal-
seiten vertheilt.
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