Robert, Carl   [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard   [Hrsg.]; Robert, Carl   [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,1): Einzelmythen: Actaeon - Hercules — Berlin, 1897

Seite: 143
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TAFEL XXXIII—XXXVII ZWEITE CLASSE ZWEITE GRUPPE 120—125 DRITTE GRUPPE 126 14 3

Vielleicht waren die beiden Platten die Schmalseiten einer
Replik von 113.

125) F. verschollen, früher Neapel, Pal. Colobrano.

Litteratur: Winckelmann Kunstgeschichte 1766 VIII 3
(Werke V S. 273)5 Hagen a. a. O. p. 66; Stephani a. a. O.
S. 201 A. 1.

„Eine erhobene Arbeit in dem Hause Colobrano ... wo
einige Arbeiten des Hercules vorgestellt sind" Winckel-
mann. Er führt sie als Beispiel provincialer Arbeit an und
stellt sie mit den Reliefs aus Capua (s. 122) zusammen. Wie
Stephani aus seinen Worten Zweifel an der Aechtheit
herauslesen will, bekenne ich nicht zu verstehen. Vielmehr
legt die Charakteristik des Stils die Frage nahe, ob das
Stück nicht mit dem jetzt im Lateran befindlichen Frag-
ment (L. 0,80. H. 0,41. Benndorf und Schöne Nr. 402)
identisch ist, das im Uebrigen zuerst von E. Visconti
Museo Vio-Clemcntino IV 1788 p. 320 als im Besitz des Kupfer-
stechers Volpato befindlich erwähnt wird. Da es noch nicht
publicirt ist, gebe ich es hier nach einer in Hevdemanns
Nachlass vorgefundenen Zeichnung. Das aus zwei nicht un-
mittelbar zusammenschliessenden Stücken bestehende Frag-
ment zeigt vier Abenteuer, Eber (unvollständig), Hirsch,
Stymphaliden, Augeas-Stall. Die ganze Platte enthielt
also offenbar die sechs ersten Arbeiten und zwar in derselben
Reihenfolge wie 113. Dass im Fasse statt des Eurystheus

ein nacktes Mädchen mit aufgelösten Haaren erscheint,
will Visconti auf ein Missverständniss der Vorlage zurück-
führen, während andere, allerdings ohne jede Probabilität,
an die Tochter des Eurystheus Admete dachten. Ich will

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nicht verhehlen, dass mir das linke Stück überhaupt ver-
dächtig vorkommt, auch wegen der Bärtigkeit des den
Hirsch bewältigenden Hercules, die sich allerdings auch
auf dem Altar des capitolinischen Museums findet, dort
aber durch die genaue Wiedergabe eines archaischen Vor-
bildes entschuldigt wird. Ich möchte daher annehmen,
dass dieses Bruchstück, wenn nicht überhaupt modern, so
doch stark retouchirt ist. Von einem Sarkophag aber
können die beiden Fragmente unmöglich stammen. Vgl.
auch unten zu 131.

c) DRITTE GRUPPE. SÄULEN-SARKOPHAGE.

Tafel XXXIV. XXXV Tafel XXXVI. XXXVII.

126) S. Rom, Museo Torlonia alla Lungara.
Fig. 126. Fig. 126 a. Fig. 126 b. Fig. 126 c. L. 2,44. H. 2,30
(des Sarkophags 1,00, des Deckels 1,30). T. 1,29. Zeichnung
von Eichler 1876.

Der Sarkophag stand bereits im Anfang des 16. Jahrhunderts
im Hof des Palazzo Savelli später Orsini, und zwar mit
verkehrt aufgesetztem Deckel. Den damaligen Zustand zeigen
Fig. 126'. Fig. 126'a. Fig. 126'b. Fig. 126'c auf Taf. XXXVI. XXXVII.
Anfang des 17. Jahrhunderts wurde der Putto am Fussende der Kline
und die Göttin auf der rechten Schmalseite ergänzt. An seiner alten
Stelle blieb der Sarkophag bis in die ersten Jahrzehnte dieses Jahr-
hunderts, wo ihn Don Giov. Torlonia erwarb (nach 1822, da er in
Guattanis Inventar Doc. inediti II p. 333 noch nicht erwähnt wird ;
Vasi sieht ihn noch in Pal. Orsini). Damals wurden die Hercules-
figuren ergänzt und die Deckelfigurcn mit anderen Köpfen versehen.
Bei der Ueberführung in das neu gegründete Museo Torlonia alla
Lungara um 1874 erhielt die Frau abermals einen anderen Kopf;
gleichzeitig wurden alle Figuren mehr oder minder überarbeitet.

Somit ist die Fundnotiz im Katalog: „Via Appia presso la villa de
Quintiii", wie schon Schreiber und Geffroy ausführlich dargelegt
haben, natürlich falsch; sie widerstreitet überdiess der im Anfang
der Beschreibung stehenden richtigen Angabc: „gia degli Orsini"
und mag in der That, wie der erstgenannte Forscher vermuthet,
auf eine Verwechslung mit 116 zurückzufahren sein. Stephani
nimmt an, dass Winckelmann Description des Pierres grav'ees du feu
Baron de Stoscb 1760 p. 280 diesen Sarkophag im Sinn habe,
wenn er schreibt: „La meine action d'Hercule (nämlich Hercules den
Stier auf seinen Schultern tragend) se voit avec d'autres de ses Travaux
sur im Autcl quarre de fancienne nianiere au Capitole et sur une des
plus grandes urnes sepulcrales aux Camaldules de M. le
Card. Passionei". Es wäre dann ein doppelter Irrthum zu con-
statiren. Winckelmann müsste den Eber für den Stier gehalten und
in Folge eines Gedächtnissfehlers als Standort des Sarkophags Frascati
statt Pal. Orsini angegeben haben. Denn dass der Koloss von Sarkophag
zeitweise dorthin gebracht gewesen sein sollte, ist um so weniger
denkbar, als ihn Zoega zwischen 1790 und 1800 an seinem alten
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