Robert, Carl   [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard   [Hrsg.]; Robert, Carl   [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,1): Einzelmythen: Actaeon - Hercules — Berlin, 1897

Seite: 144
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HERCULES

Platz erwähnt. Da aber das Stierabenteuer auf Sarkophagen niemals
in dem von Winckelmann besprochenen Typus vorkommt und es
bei dem Schweigen aller übrigen Zeugen kaum glaublich ist, dass
Cardinal Passionei einen ähnlichen Sarkophag wie 126 besessen
haben sollte, wird wohl Stephani Recht behalten und Winckel-
mann sich geirrt haben.

Alte Zeichnungen: Coburgensis Fol. 95. Fol. 96 Nr. 196
Tafel XXXVI. XXXVII. Fig. 126'. Fig. 126'a. Fig. 126'b. Fig. 126'c.
Danach Pighianus Fol. 312. Fol. 313 Nr. 201, schlechte Copie,
die Dcckelgruppe und die Hadesthür an der linken Schmalseite sind
fortgelassen (danach bei Beger s. unten); dal PozzoWindsor VIII 20
die Vorderseite, V 60 (73) der Deckel. — Pierre Jacques de Reims
Skizzenbuch aus den Jahren 1572—1577, in Paris bei H. Destailleur.

— Berolinensis Fol. 98. Die linke Schmalseite ohne die weib-
liche Figur; „la testa d'un pllo a Savelli, dove era dentro le forse
d'Ercole, lavorato da tutte le bände." —■ dal Pozzo A. W. Franks
Fol. 8. Fol. 9 die beiden Langseiten; am Deckel ist der Putto
ergänzt.

Abbildungen: Beger Meleagrides 1696 p. 24 (d. Stympha-
liden); Ders. Hercules Ethnkorum 1705 tab. VIII. X. XI. XIII, nach
dem Pighianus. — G. B. Piranesi Vast, Candelabri, Cippi, Sarcofagi,
Tr'tpod't, Lucerne ed Ornamenti anficht 1778 II tav. 70. Die Vorder-
seite mit richtig aufgesetztem Deckel. — Vitali Mannt scolpiti esi-
stenti nel Pa/azzo dl S. E. il Sig. D. Gio. Torlonia (c. 1824) II nr. 2.

— I Monumenti del Museo Torlonia 1884 sez. 70 tav. 106 nr. 420.

— Der Deckel de Cavalleriis Antiquarum statuarum urbis Romae
l. IV 1594 tab. 96. — Clarac Mus'ee de sculpture IV 1850,/*/. 762A,
1873 s. Fig. 126" d (im Text).

Litteratur: Franc. Albertini De Mirabilibus novae urbis
Romae 151 o p. 88b (in der Ausg. von Schmarsow 1886 p. 29,
s. oben S. 137); Aldrovandi Le statue antiche di Roma 1556 p. 233;
Beger Meleagrides 1696 ^.24; Ficoroni Vestigia e Rarita di Roma
antica 1744 I p. 146; E. Visconti // Museo Pio-Clementino IV
1788 p. 102, VI 1792p. 87. p. 102; Zoega App. Fol. 145. Fol. 146
Nr. 4. Fol. 677; Ders. Li Bassirilievi antichi di Roma 1808 II
p. 52. p. 60 n. 56. p. 66. p. 70 n. 83. p. 73 n. 91. p. j6
n. 101. p. 78 11. 103. p. 81; Vasi Itin'eraire instruetif de Rome
1820 II p. 319; Vitali a. a. O.; Hagen a. a. O. p. 24. p. 27.
p. 32. p. 35. p. 41. p. 45. p. 6<j. p. 66; de Witte Nouveües
Annales publikes par la Section franqaise de l Institut archeologique II
1838 p. 127; K. O. Müller Handbuch der Archäologie der
Kunst S. 676 § 410, 45 Clarac a. a. O. p. 339, 1873; Stephani
a. a. O. S. 200 Nr. 5. Nr. 11; Klügmann Annali delV Instituto
XXXVI 1864 p. 315; Matz ebd. XL 1868 p. 250 (I); P. E. Vis-
conti Catalogo del Museo Torlonia 1876 nr. 328 (2. Aufl. von
C. L. Visconti 1883 p. 210 nr. 420); Th. Schreiber Archäologische
Zeitung XXXVII 1879 S. 7 2 f. Nr. 328; C. L. Visconti Bulletino
della Commissione archeologica comunale di Roma XIII 1885 p. 34;
H. L. Urlichs Verhandlungen der 40. Philologen-Versammlung in
Görlitz 1890 S. 320 (X); A. Geffroy Melanges d'archcologie et
d'histoire X 1890 p. 202 f.; Pallat Mittheilungen des Römischen
Instituts IX 1894 345.

Der Sarkophagkasten ist wie ein Peripteraltempel mit
sechs Säulen an den Lang- und vier an den Schmalseiten
gebildet. Unter jedem Säulenpaar springt ein Torus vor, 1

der theils mit doppeltem Flechtband, theils mit einem Zick-
zackmuster verziert ist; der flache zurückliegende Theil des
Krepidoma trägt ein Mäandermuster. Die Säulen haben
attische Basen, korinthische Capitelle und abwechselnd nach
links und rechts laufende spiralförmige Canelluren. Sie tragen
flache Bogen, in deren Zwickeln auf den Langseiten Blatt-
ornamente, auf den Schmalseiten Frauen- und Kinder-
masken zwischen ähnlichem Blattornament angebracht sind.
Die mittlere Nische der linken Schmalseite ist durch eine
grosse Thür, ohne Zweifel das Hadesthor, ausgefüllt,
die übrigen Nischen durch Figuren oder Gruppen. Ueber
dem Bogen folgt ein schmaler, glatter Architrav und ein
mit einem Palmettenmuster decorirtes Gesimse. Beide
werden an der Vorderseite über der zweiten und fünften
Säule durch oblonge Platten unterbrochen, die wohl als
Stirnflächen von zwischengeschobenen Marmorbalken ge-
dacht sind, zugleich aber als Versatzbossen für den Deckel
dienen. Dieser ist als eine auf ganz kleinen runden Füssen
ruhende Kline gestaltet. Der Raum zwischen den Füssen ist
auf der Vorderseite durch symmetrisch gruppirte, geflügelte
Seethiere ausgefüllt, und zwar liegen in der Mitte zwei
Seelöwen, dann folgt zu jeder Seite ein Paar von Seegreifen,
endlich an den Ecken je ein nach auswärts gekehrter Seelöwe.
Die Lehnen der Kline laufen oben in Pferdeköpfe, unten
in Löwenköpfe aus. Die Gurte der hohen Matratze zeigen
drei Streifen, von denen der breitere mittlere eine Ranke
von Weinlaub, die beiden äusseren schmälern ein Spiral-
ornament tragen. An jeder Lehne ist ein mit der Chlamys
bekleidetes Knäbchen angebracht. Das am rechten Ende
steht mit gekreuzten Beinen da und streichelt mit der
Rechten den Kopf eines oben auf der Lehne liegenden
Schosshündchens. Das zweite sitzt am Fussende auf der
Matratze, stützt den rechten Ellbogen auf die Lehne
(s. Fig. 126') und fasst mit der Linken den Bausch seiner
Chlamys, der mit Früchten gefüllt ist. Vielleicht haben wir
in den beiden Knaben die Kinder des in dem Sarkophag
bestatteten Ehepaars zu erkennen. Dieses liegt auf der
Kline in der üblichen Gruppirung. Der Mann legt den
rechten Arm um die Schulter seiner Frau Fig. 126'c und
hält in der Linken eine offene Rolle, die Frau hat in der
Rechten eine Hypothymis; vgl. II 21. 25. 6g. Dem Mann
hat man jetzt einen Hadrianskopf, der Frau einen Kopf
aus der Periode der Flavier aufgesetzt, beide antik und
vortreffliche Exemplare. Den Hadrianskopf zeigen bereits
die Abbildungen bei Vitali und Clarac, s. Fig. 126" d.
Hingegen trug die Frau damals einen Kopf mit nestartig
aufgebundenen Zöpfen, eine Frisur, die an die der älteren
Faustina erinnert und genau so bei der Deckelfigur am
Sarkophag der Felicitas, der Gemahlin des Arztes Claudius
Agathinos, im capitolinischen Museum wiederkehrt (s.
Clarac a. a. O. 1873 B; Kaibel Epigrammata graeca 558 und
Inscriptiones graecae Italiac et Siciliae 2064.). Die ächten
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