Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,1): Einzelmythen: Actaeon - Hercules — Berlin, 1897

Seite: 161
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TAFEL XLII. XLIII DRITTE CLASSE ZWEITE GRUPPE 137 — 138 16

Rechte stützt er auf den Sitz, mit der Linken hält er die
auf seinem rechten Oberschenkel ruhende Leier. Im
Hintergrund erhebt sich der heilige Lorbeer. Die ruhige
Haltung des Apollo, die zu einer gewaltsamen Entführung
des Dreifusses nicht zu passen scheint, hat Stephani zur
Annahme einer Version bewogen, nach der Hercules mit
Genehmigung des Apollo oder gar auf dessen Geheiss den
Dreifuss forttrage, und Overbeck hat ihm beigestimmt.
Allein die Localmythen, auf die er sich beruft, können
als Stützen einer solchen Annahme nicht gelten, da in
Gythion und Pheneos (Pausan. III 21, 8. VIII15, 5, Plutarch
d. sera num. vind. 12 p. 557 C) der Dreifuss gleichfalls mit
Gewalt entführt wird und die ihrem Wesen nach ganz
verschiedene Sage vom Tripodiskos mit Herakles nicht
das mindeste zu thun hat. Wir haben es vielmehr hier
mit demselben Mangel an charakteristischer Gestaltungs-
fähigkeit zu thun, den wir schon bei der vorher be-
sprochenen Hesione-Scene gefunden haben und beider gleich
zu besprechenden Minotaurusscene wiederfinden werden.

Die rechte Schmalseite Fig. 137b stellt die Be-
siegung des Minotaurus dar. Der beinah knabenhaft
gebildete Theseus fasst mit der Linken das rechte Horn
des Ungethüms, das in seiner Angst die Zunge heraus-
hangen lässt, und hebt mit der Rechten eine Keule, die
allerdings mehr wie ein Pedum aussieht. Hinter seinem
Rücken flattert die Chlamys. Den kräftigen Widerstand
des Ungethüms zur Anschauung zu bringen, war der Ver-
fertiger des Sarkophags nicht im Stande. Mit erhobener
Rechten und auf den Oberschenkel gelegter Linken scheint
sich der Minotaurus nach rechts flüchten zu wollen; der
automatenhafte Eindruck der Figur wird durch die Stellung
in Vorderansicht noch verstärkt.

Die linke Schmalseite Fig. 137a zeigt zwei Bac-
chantinnen, vergröberte Nachbildungen schöner auf bac-
chischen Sarkophagen sehr häufiger Typen. Beide sind
völlig nackt; ihr Haar ist auf dem Scheitel zu einem Nest
aufgebunden. Die erste steht in Vorderansicht da und
schlägt die Becken, die zweite in Rückenansicht nach
rechts schreitend lässt ihren schmalen Mantel bogenförmig
über dem Haupt flattern. Beide blicken nach links zurück,
als ob von dort noch weitere Thiasoten herankämen.

Provinziale Arbeit aus dem Ende des zweiten oder
dem Anfang des dritten Jahrhunderts.

1371) F. Verschollen, früher Rom, Via Belsiana 7,
dort von F. von Duhn gesehen, von Eichler bereits 1892
nicht mehr aufgefunden.

Litteratur: Matz und von Duhn Antike Bildwerke in Rom
1881 II S. 245 Nr. 2875.

„Links, rechts und unten unvollständig. Rechts steht
Hesione e. f., mit beiden erhobenen Händen an einem
Felsen geschmiedet, den Kopf, von dem die Haare lang
niederhängen, leicht nach links geneigt, gekleidet in einen
doppelt gegürteten ärmellosen Chiton, der aber die rechte
Brust und das vorgesetzte rechte Bein freilässt. Von links
kommt Herakles, bärtig, das vorn geknüpfte und hinten
herabhängende Löwenfell über den Kopf gezogen; in der
Linken den nach unten gerichteten Bogen, welchen die
Rechte spannt, um den Meerdrachen zu tödten, dessen
ihm entgegen züngelnder Kopf rechts unten sichtbar wird.
Zwischen Herakles und Hesione sitzt in kleinerer Figur
auf höherem Felsniveau ein jugendlicher nackter Berggott,
den Kopf auf die rechte Hand gestützt, im linken Arme
einen Pinienzweig. Links von Herakles wird noch Helm-
busch und linker Unterarm mit Schild und Speer in der
Hand eines, wie es scheint, nach rechts gehenden, aber
nach links sich umblickenden Kriegers sichtbar. Es fehlen
die Füsse und Unterbeine theilweise, sonst ist die Er-
haltung gut. Arbeit gewöhnlich" von Duhn.

Danach war Hesione in demselben Typus, wie auf
137, jedoch ähnlich wie auf dem S. 160 abgebildeten
pompejanischen Gemälde bekleidet, Hercules hingegen in
derselben Stellung, wie auf dem Berliner Cameo (Furt-
wängler Beschreibung der geschnittenen Steine im Berliner
Antiquarium 11270) und auf dem Durlacher Altar dargestellt
(Urlichs Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im
Rheinlande IX 1847 S. 153). Der von links herankommende
Krieger wird Tel amon gewesen sein.

F. von Duhn bezeichnet das Stück als Kinder-Sarkophag-
Fragment. Nach der Beschreibung könnte es ebenso gut
von einem Deckel stammen.

Tafel XLIII.

II. ANTAEUS.

138) D.F. Rom, Museo delle Tenne (? vermuthlich
noch in den Magazinen). Fig. 138. L. 0,51. H. 0,17 (ausnahms-
weise grösser als ein Zehntel reproducirt). Zeichnung
von L. Schultz 1868.

Früher im Museo Kircheriano, dann jahrelang behufs

Ueberführung in das Thermen-Museum verpackt, so dass es von
Eichler nicht gezeichnet werden konnte. Wir benutzen deshalb
eine aus Heydemanns Nachlass stammende Zeichnung von L.
Schultz, auf der allerdings die Eckmaske fehlt.

Litteratur: Beschreibung der Stadt Rom III 3, 1842,

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