Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

Seite: 185
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TAFEL XLVII. XLVIII GRIECHISCHE SARKOPHAGE 154. 1541

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Phaidra mit der vorlesenden Amme und vielleicht noch
einer Dienerin enthielt, wahrscheinlich einem Gemälde, von
dem uns auf einer pompeianischen Wand dritten Stiles eine
Nachbildung erhalten ist (Mittheilungen des Kaiserlich Deut-
schen Archaeologischen Instituts in Rom V 1890 Taf. II;
vgl. S. 170). Daher die nicht ganz ausgeglichene Dis-
harmonie, dass die in aufrechter Haltung stolz dasitzende
Königin sich doch, wie die liebessieche Phaidra auf 152b,
das drückende Kopftuch abnehmen lässt.

Eine fragmentirte Replik dieser Schmalseite ist 175;
s. unten.

Die linke Schmalseite Fig. 154a zeigt den Tod des
Hippolytos, sehr ähnlich wie 152a. Nur sind einige der
dort gerügten Fehler vermieden. Die sich bäumenden
Deichselpferde sind richtig nach links ins Profil gestellt.
Der mit einer Chlamys bekleidete Hippolytos wird noch
nicht geschleift, sondern ist eben aus dem gestürzten Wagen
herabgefallen. Mit der linken Hand, deren Finger bis auf
die Spitzen und den Daumen ergänzt sind, hält er sich an
dem Wagenrand; die Zügel hat er, wie ein Wagenlenker
des römischen Circus, um den Leib geschlungen. Der
Mund ist weiter geöffnet, als die Abbildung zeigt. Der
Kopf des Meerungethüms ist hier nach rechts gewandt und
taucht hinter einer in der Abbildung nicht angegebenen
Terrainwelle auf. Der berittene Begleiter fast genau wie auf
152 a. Nur flattert seine Chlamys hier hinter seiner linken
Schulter empor und versucht er die Zügel des rechten
Deichselpferdes erst zu fassen, während er auf 152a die
Zügel des linken bereits ergriffen hat. Hinzugefügt ist
rechts ein zweiter Begleiter des Hippolytos. Mit der Chlamys
bekleidet schultert er mit der Linken einen Speer und
macht mit der erhobenen Rechten eine Geberde des Ent-
setzens. Die Landschaft ist oben durch eine Reihe kleiner
Bäumchen, unten durch hügeliges Terrain mit drei ähnlichen
Bäumchen angedeutet. Die obere Baumreihe, die aus Eichen
und Oliven besteht, greift mit ihren höchsten Blättern auf
die in der Abbildung fälschlich als leer wiedergegebene
obere Randleiste über, so dass hier eine Art von fort-
laufender Guirlande entsteht. Von den gleichfalls sehr
ungenau wiedergegebenen Bäumchen unten ist das unmittel-
bar auf der Randleiste stehende eine Pinie; die beiden
anderen sind Oliven.

Auf der Rückseite Fig. 154c ist wieder, wie auf 152c,
Hippolytos auf der Jagd dargestellt. Der Eber mit dem
ihn in den Unterkiefer beissendem Hunde ganz wie dort;
ebenso der verwundete Hund unter dem Eber, jedoch hier
nach der linken Seite gewandt; dagegen fehlt der das Wild
in den Hinterfuss beissende Hund sammt seinem Wärter.
Die beiden von vorn attakirenden Hunde sind weiter nach
links unter das Ross des hintersten Reiters gestellt und

erst im Anlauf begriffen. Hippolytos, wieder auf einem
sich bäumenden Pferd, ist ganz in die Mitte gerückt und,
während er auf 152 c in aufrechter Haltung den Wurf-
spiess schleudert, beugt er sich, wie man trotz der Zer-
störung noch erkennt, hier weit vor, um mit dem Jagdspeer
einen Stoss gegen den Eber zu führen. Auch von seinen
Gefährten sind diesmal drei beritten. Von einem neben
ihm reitenden ist noch der jugendliche Kopf sowie der
vordere Theil vom Kopfe seines Pferdes erhalten; von einem
zweiten ihm folgenden erkennt man noch das Hintertheil
und das rechte Vorderbein des Pferdes und den in einem
Jagdstiefel steckenden rechten Unterschenkel. Der dritte
mit flatternder Chlamys bekleidete Gefährte sprengt auf
einem mit zurückgewandtem Kopf nach rechts galoppirenden
Pferde vor Hippolytos her und zielt mit dem Wurfspeer
nach dem Rücken des Ebers.

Von den Jägern zu Fuss haben wir den mit der Keule
von hinten auf den Eber losschlagenden auch schon auf
152 c gefunden. Nur trägt er hier unter der Chlamys noch
eine Exomis und hält in der Linken statt des Speeres
einen Stein. Auch den mit einer Chlamys bekleideten Jäger
an der rechten Ecke, der mit hinter dem Kopf erhobenen
Händen ein Beil gegen den Eber schwingt (vgl. 1542), könnte
man versucht sein, als Umbildung des auf 152 c in der Mitte
befindlichen Steinschleuderers zu betrachten; doch kehrt
diese Figur fast genau so an derselben Stelle auf den
griechischen Meleagros-Sarkophagen (216—218. 220) wieder,
so dass sie vielmehr von diesen entlehnt zu sein scheint.
Auf 160 c erscheint dieselbe Figur links von dem Eber und
nach rechts gewandt. Auch der mit Chlamys und Schild
ausgestattete Jäger, der vor dem Eber rückwärts hingesunken
ist und mit ausgestrecktem linken Fuss einen Stoss gegen
das Thier zu führen scheint, fehlt auf 152 c, kehrt aber auf
1543 wieder und ist auf den allerdings wohl sämmtlich
jüngeren römischen Sarkophagen mit Löwenjagd beinah
eine ständige Figur, s. z. B. Monumenta Matthaeiana III 40,1
(Matz und von Duhn Antike Bildwerke in Rom II Nr. 2950).
Das Local der Jagd, der Wald, scheint hier ausschliesslich
aus Eichbäumen zu bestehen. Ob aber die Abbildung in
diesem Punkte zuverlässig ist, lässt sich im Hinblick auf
die gelegentlich hervorgehobenen Versehen freilich nicht
garantiren.

Arbeit der Antoninenzeit.

1541) F. Athen, Ethni-
kon Museion, s. die Text-
abbildung Fig. 1541 nach
einer Photographie. L. 0,37.
H. 0,32.

Um 1861. 1862 in Athen
„vierzig Schritte südwestlich vom
Thore der Athena Archepolis in
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