Robert, Carl   [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard   [Hrsg.]; Robert, Carl   [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

Seite: 194
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HIPPOLYTOS

Bei der grossen Verwandtschaft der Phaedragruppe mit
152b. 154b würde man zunächst geneigt sein, sich für die
erste Alternative zu entscheiden, wenn nicht die Ueber-
einstimmung der ganzen Composition mit dem Achilleus-
Sarkophag II 23 mehr für die zweite spräche. Zu diesem
wurde bereits bemerkt II S. 32, dass die Verwendung des
Schemas für Achilleus auf Skyros secundär sein müsse.
Also hat es griechische Sarkophage gegeben, die auf der
Vorderseite rechts die sitzende Phaidra links den sitzenden
Hippolytos zeigten, mithin eine besondere (zweite)' Gruppe
bildeten, die sich von der dritten dadurch unterschied, dass
Phaidra am entgegengesetzten Ende angebracht war.

Ein Auszug aus dieser Composition liegt auf einer
meist fälschlich auch als Sarkophag bezeichneten römischen
Aschenurne vor, die aus der Sammlung Pourtales-Gorgier
ins britische Museum übergegangen ist (L. 0,45. H.0,27, an
den Schmalseiten sitzende Greife. Abgeb. Dubois Descrip-
tion des antiques de M. le comte de Pourtales-Gorgier nr. 62
p. 26; Archaeologische Zeitung XLI 1883 Taf.7, 2 nach einer
Zeichnung von Eichler. Litteratur: O. Jahn Archaeo-
logische Beiträge S.66; Kalkmann a.a.O. S.65ff. (Q). S.72;
Puntoni a.a.O. p. 42 nr.22. S. die Textabbildung nach
Photographie). Links Hippolytus auf einem Felssitz, in der
Linken das empfangene Diptychon, den Kopf abwendend
und die Rechte entsetzt erhebend, neben ihm zwei be-
waffnete Begleiter und sein Jagdhund. Rechts die Phae-
dragruppe, sehr ähnlich der Deidameiagruppe auf II 23;
die Königin matt zurücksinkend, hinter ihr die Amme,
vor ihr eine Dienerin, die ihren Arm stützt, und, an ihre
Kniee gelehnt ein Amor. Der Vergleich mit II 23 lehrt,
dass hier die Originalcomposition, wenn auch abgekürzt,
getreuer wiedergegeben ist, als auf 15g. Sie war der
ersten Gruppe der ersten griechischen Classe (144—150)
in der Auffassung sehr verwandt, nur dass durch das Brief-

urne im britischen museum.

motiv mehr Handlung hineinkommt und die beiden Haupt-
figuren in directe Beziehung zu einander gebracht sind.

Der Verfertiger von 15g scheint von demselben Vorbild
wie der Verfertiger der Urne ausgegangen zu sein; allein
statt der dort vorliegenden Phaedragruppe hat er die von
der Nebenseite eines Sarkophags der ersten Gruppe (152 b.
153. 154 b) eingesetzt und links neben Hippolytus die Amme
von der Vorderseite eines Sarkophags derselben Gruppe
hinzugefügt. Ausserdem hat er auch in der Phaedragruppe
noch einmal die Figur des Hippolytus wiederholt, wofür ihm
die römische Classe (164 fr.) das Vorbild bot. Im Wesent-
lichen ist also, wie ähnlich auch schon Kalkmann vermuthet
hat, die Darstellung aus zwei griechischen Exemplaren ver-
schiedener Gruppen combinirt und trotz ihrer Rohheit
desshalb von grossem Werth, weil sie uns eine verlorene
griechische Sarkophaggruppe repräsentirt. Vgl. den ähn-
lichen Fall bei 174.

Sehr schlechte Arbeit aus dem Ende des 3. Jahr-
hunderts.

7) DRITTE GRUPPE.

Tafel L.

160) S. Arles, Musee. Fig.160. Fig.iöoa. Fig.iöob.
Fig. 160 c. L. 2,34. H. 1,60 (des Kastens rechts 1,00, links
0,98; des Deckels 0,60). T. rechts 0,93, links 0,99. Rh. der
Vorderseite 0,11, der linken Schmalseite 0,09, der rech-
ten Schmalseite 0,02, der Rückseite 0,01. Rothgeäderter
Marmor. Nach einer Photographie.

Gefunden am 6. Juni 18g 1 in der Camarque nahe bei den
Saintes-Maries, bei Gelegenheit der Arbeiten für den Chemin de
fer de la Camarque. Von der Eisenbahn-Compagnie dem Museum
geschenkt.

Abbildung: Die Eckfigur der 1. Schmalseite W. VöGE Die An-
fänge des monumentalen Stils im Mittelalter 1894 S. 111 Abb. 35. —
Altmann Architectur und Ornamentik der antiken Sarkophage 1902
Taf. II.

Litteratur: Vöge a.a.O. S. 110. S.375f.; Robert Hermes XXIX
1894 S. 430 (wo Arles statt Marseille zu lesen ist); H. Bazin Arles
Gallo-Romain 1896 p. 101 nr. 19; Altmann a. a. O. S. 107.

Die Zugehörigkeit des Deckels schien mir trotz der ge-
ringeren Arbeit und obgleich er etwas von dem Kasten
entfernt gefunden ist, zweifellos, zumal der Marmor die-
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