Robert, Carl   [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard   [Hrsg.]; Robert, Carl   [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

Seite: 279
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TAFEL LXX. LXXI DIE KALYDONISCHE JAGD 216—218

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Vorderseite, das durch seine Höhe einer vollständigen Ver-
nichtung grösseren Widerstand leistete, wenigstens mög-
lichst unkenntlich gemacht. Fig. 217. Fig. 217 a. Fig. 217 b.
L. 2,04. H. 0,59. T. 0,59. Die rechte Schmalseite und die
Vorderseite sind auf '/20 verkleinert. Zeichnung von Eichler
1876.

Die Localtradition behauptet, dass in diesem Sarkophag die Ge-
beine der Schutzheiligen Catanias, der Märtyrin Agatha, bis zu ihrer
Ueberführung nach Constantinopel im Jahre 1038 beigesetzt gewesen
seien. In der That spielt in der Geschichte dieser Reliquien ein
sarcophagus novus lapideus eine gewisse Rolle. Die Heilige soll in
einem solchen Sarkophag in der Nähe des Amphitheaters extra Stesi-
cJwri portam prope Carmelitarum aedem beigesetzt worden sein, und
später soll man an dieser Stelle die jetzt bereits seit Jahrhunderten
verschwundene Kirche S. Maria di Bethlehem errichtet haben. Aus
dieser seien dann die Gebeine in dem Sarkophag nach der Kirche
S. Agata vetere, die an der Stelle des Martyriums der Heiligen
steht, übergeführt worden, von wo sie später Mamiacus nach Con-
stantinopel brachte, jedoch ohne den Sarkophag, s. M. amico e
Statklla Catania illustrata 1740—1746 I 289. p. 305. III p.gi.
Auf dieses. Werk geht direct oder indirect die Angabe von houel
Voyage pittoresque des islcs de Steile, de Malte et de Lipari II
1784 p. 136 zurück: Ce sarcophagc a etc tire d'un tombeau situe
entre cette Eglisc et l'' Amphiiheatre; et Von a bäti unc autre Eglise
autour de cc tombeau dans la persuasion qu'il est celui ou le corps
de Sainte Agathe a ete renferme apres son martyre. Die hier nach
dem Volksglauben angenommene Identität des erhaltenen Meleagros-
Sarkophags mit jenem Sarkophag der Legende erscheint übrigens
keineswegs ganz gesichert. Jedesfalls muss die jetzige Aufstellung
jünger sein als 1693, in welchem Jahre die Kirche S. Agata vetere
durch ein Erdbeben vollständig zerstört worden war. Die Reliefs
sind offenbar deshalb abgemeisselt worden, weil ihre heidnischen
Süjets zu der Zutheilung des Sarkophags an die h. Agatha nicht
passten. Aus demselben Grunde hat man die weniger anstössige
Rückseite nach vorn gekehrt.

Abbildung: Houel a. a. O. pl. 138 Fig. 217'.

Litteratur: Houel a. a. O. p. 136; (duca di Carcaca) Descri-
zione di Catania e delle cose notevoli ne1 dintomi di essa 1841 144;
Matz Archaeologische Zeitung XXX 1872 S. 15. S. 18 A.48; R. Al.-
tavilla Breve storia di Catania 1873 p. 173; A. Holm Das alte
Catania 1873 S. 26. S. 39 Nr. 55; Robert Archaeologische Zeitung
XLIII 1885 S. 74; Benndorf Das Heroon von Gjölbaschi-Trysa
(Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten
Kaiserhauses 1889) S. 112 A. 1.

Der Sarkophag war, wie Eichler's Zeichnung Fig. 217
erkennen lässt, eine fast genaue Replik von 216, nur in
kleinerem Massstab. Die Missverständnisse bei Houel
Fig. 217' — Löwe statt des Ebers und Stellung des Peleus
und der rechten Eckfigur in Rückenansicht — werden
durch die schwierigen Umstände, unter denen er seine
Zeichnung anfertigen musste, hinreichend entschuldigt. Auf
der Vorderseite kehren alle Figuren von 216 an demselben
Platz und in der gleichen Stellung wieder. Aber an der
linken Ecke ist noch eine weitere Figur hinzugefügt, ein

in Vorderansicht stehender, mit geschürztem Chiton und
Chlamys, vielleicht auch mit Jagdstiefeln (s. Fig. 217') be-
kleideter Mann, der sich mit der erhobenen Linken auf
einen Speer stützt und den Kopf von den Jägern ab nach
links wendet. In Eichler's Zeichnung deuten die Con-
touren des sehr zerstörten Kopfes auf einen jugendlichen
Mann. Houel dagegen hat ihn bärtig gezeichnet. Wenn
er recht gesehen hat, würde in der Figur Oineus zu er-
kennen sein, für den die Haltung und Kopfwendung sehr
passend wäre und der auf den römischen Sarkophagen fast
regelmässig an dieser Stelle erscheint. Ferner ist rechts
auf Eichler's Zeichnung der Abstand zwischen dem Jäger
mit dem Beil und der rechten Ecke so gross, dass auch
hier noch eine weitere Figur oder vielleicht ein Baum
(vgl. 218) gefolgt sein muss. Doch ist an dieser Stelle
das Relief vollständig weggehauen.

Von der rechten Schmalseite Fig. 217 a sind nur der
nach links gewandte Kopf einer unbärtigen Figur, wie es
scheint eines Knaben, und ihre hoch erhobenen, anscheinend
geballten Hände zu erkennen; demnach scheint die Arm-
haltung die eines Faustkämpfers gewesen zu sein. Vom
rechten Handgelenk geht nach unten links noch ein zer-
störter Rest nach abwärts, der allenfalls von dem er-
hobenen Arm einer zweiten Figur, die links ohnehin vor-
auszusetzen ist, herrühren kann. Diese Reste lassen sich
ohne Schwierigkeit zu der Gruppe von Chiron, der den
jungen Achilleus im Faustkampf unterrichtet, ergänzen, wie
sie auf den Schmalseiten der griechischen Achilleus-Sarko-
phage II 20 b. 21 b. 22 a. 24c! (vgl. auch 23 b) typisch ist.
Nur würde, wenn diese Vermuthung das Richtige treffen
sollte, mit dem Knaben hier natürlich nicht Achilleus,
sondern Meleagros gemeint sein, der ja nach dem
Mythos gleichfalls Zögling des Chiron war, Xenophon
Cyneget. I 2. Sonst könnte man vielleicht noch an zwei
faustkämpfende Eroten denken.

Von der Darstellung auf der Rückseite Fig. 217 b er-
kennt man heute nur noch den Kopf und das linke er-
hobene Vorderbein eines nach rechts gewandten Greifen
und vor ihm den oberen Theil eines angezündeten Cande-
labers. Dies allein würde ausreichen um festzustellen, dass
zwei um einen Candelaber gruppirte Greife dargestellt
waren; bestätigt wird es nicht nur durch den Vergleich
mit 218 c, sondern auch durch das ausdrückliche Zeugniss
von Carcaca, der offenbar hier weit mehr sehen konnte:
eine Ippogriji con in centro una specie di candelabro.

218 S. Verschollen, früher in Villa Altichiero bei
Padua. Fig. 218. Fig. 218a. Fig. 218b. Fig. 218c nach
Made. J. W. C. D[e] R[osenberg] Altichiero 1787 pl. 26. Six
pieds de longeur et quatre de hauteur; marbre salin (Mad.
de Rosenberg).
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