Robert, Carl   [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard   [Hrsg.]; Robert, Carl   [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

Seite: 299
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TAFEL LXXVIII. LXXIX DIE CALYDONISCHE JAGD 230. 231

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App. Fol. 360b. Fol. 533f.; Beschreibung der Stadt Rom III 3, 1842,
S. 628; braun a.a.O. S. 23fr.; O. jahn Bullcttino delP Instituto
1846 p. 131; Kekule a.a.O. p. 48 ss. nr.2; Urlichs Skopas 1863
S. 23; Helbig a. a. 0. 81 ss. (A). 100. p. 102 ; Stephani a. a. O.
S. 69 Nr. 9; Matz a. a. O. p. 77 (A). p. ygss. p. goss. p. ggs. (G);
C. L. Visconti Bullettino della Commissione archeologica municipalc
di Roma I 1873 181 s.; dütschke Antike Bildwerke in Oberitalien
I 1874 S. 47. III 1875 S. 236; Ribbeck Römische Tragödie 1875
S. 513 A. 18. S. 515; Matz und von Duhn Antike Bildwerke in
Rom 1881 II S. 388fr. Nr. 3238.

Auf der Vorderseite Fig. 231 dieses und der folgenden
Sarkophage (233—235) ist schon der erste Schritt zur Ver-
schmelzung der beiden Scenen geschehen, indem in der
ersten die Figur des Meleager weggelassen ist, wodurch
der falsche Schein erweckt wird, als ob die Erregung des
Oeneus und seine Rechtswendung dem Verlauf der Jagd
gelte. Da aber Atalante zweimal erscheint, kann es nicht
zweifelhaft sein, dass der Verfertiger zwei Scenen unter-
schieden wissen wollte.

Am linken Ende der ersten Scene steht Oeneus in
derselben Gewandung wie auf 225. 226. 228. 230, mit
dem Schwert an der Seite wie auf 230, jedoch ohne
Scepter in der Linken. Vielmehr fasst diese Hand den
Saum des Mantels, während die erhobene Rechte mit aus-
gestreckten drei Fingern den bekannten Redegestus macht.
Den mit einer Binde geschmückten Kopf wendet er nach
der Mitte hin. Rechts von ihm im Hintergrund sieht man
seinen jugendlichen Doryphorus, der mit einer auf der
rechten Schulter gehefteten Chlamys bekleidet ist und die
erhobene Rechte auf einen Speer stützt. Dann Orcus
wie auf 230, aber mit geschultertem Beil, wie auf 228.
22g, und mit einer Binde im Haar. Statt des Löwen von
230 begleitet ihn, wie auf 225, ein Hund. Rechts von ihm
im Hintergrund ein nach links gewandter bärtiger Mann
im geschürzten Chiton und in Jagdstiefeln; die Spitze des
Speeres, den wir uns von seiner Linken gehalten denken
müssen, kreuzt sich mit der Speerspitze der letzten Figur
aus der zweiten Scene. Den Abschluss bildet Atalante,
die ihren Kopf mürrisch von Oeneus abwendet. Ihren
Speer hält sie mit beiden Händen quer vor den Leib,
indem sie mit den Fingern der linken Hand seine Spitze
betastet; vgl. 226. 227a. Ihre Gewandung ist die gleiche
wie auf 226. Das von einer Binde durchzogene Haar ist
hinten zu einem Schopf aufgebunden. Neben ihr sitzt ihr
Jagdhund, der den Kopf zu ihr herumwendet.

Das Centrum der Jagdscene stimmt in allem Wesent-
lichen, dem Eber mit den beiden ihn angreifenden Hunden,
Meleager, Atalante und dem das Wild von hinten mit
gezücktem Speer bedrohenden Jäger, der auch hier keiner
von den Dioscuren ist, mit 230 überein. Von den gering-
fügigen, zum Theil vielleicht nur auf der besseren Erhal-
tung beruhenden und dann nur scheinbaren Abweichungen

sei erwähnt, dass unter dem Eber sowie vor und hinter
ihm felsiges Terrain angedeutet, dass statt des grossen
Baumes neben dem Eber ein kleines Eichbäumchen rechts
von Atalante angebracht, und dass der hier zum ersten
Mal erhaltene Kopf des Meleager mit einer Binde ge-
schmückt ist. Zu Atalante vgl. auch 225. 227 b, zu dem
Speerwerfer den Dioscuren auf 225. 226 a. Auch die
beiden über der Höhle zum Vorschein kommenden Männer
sind diesem Exemplar mit 230 gemeinsam, nur halten hier
beide in der erhobenen Rechten einen Stein und tragen
unter der Chlamys noch einen Chiton. Der vordere, der
mit der linken Hand den Rand der Höhle umfasst, ist
bärtig, der zweite jugendlich. Sehr verändert sind hin-
gegen die Dioscuren. Der eine im Vordergrund stehende
ist nach links bewegt und legt seine rechte Hand an den
rechten Arm des Meleager, als ob er ihn am Stoss hindern
wolle; mit der nicht sichtbaren Linken schultert er eine
Lanze. Der zweite, dessen Körper von der Figur des
Meleager fast völlig verdeckt wird, hebt wie in grosser
Aufregung den linken Arm hoch empor, vgl. 230. Beide
haben lockiges Haar, das von dem Pileus bedeckt ist, und
sind mit einer auf der rechten Schulter gehefteten Chlamys
bekleidet. Links von ihnen im Hintergrund ein jugend-
licher Jäger mit einer Lanze in der Rechten und in einer
den ganzen Körper bedeckenden Chlamys. Rechts von
dem Eber liegt unter dem Speerwerfer Ancaeus am
Boden, in derselben Stellung und Gewandung wie auf 225.
230, und wie auf 230 mit Schwertgurt; auch das in der
Scheide steckende Schwert ist diesmal zu erkennen. Die
geballte Rechte ruht auf dem linken Unterschenkel, die auf
dem Boden gestützte Linke hält eine Lanze. Den mit
einer Binde geschmückten Kopf wendet er nach oben.
An der rechten Ecke der stehende Verwundete wie auf
226 a. 230. Die Lanze, auf die er sich mit der Linken
stützt, ist hier vollständig erhalten.

Auf der rechten Schmalseite Fig. 231b sieht man rechts
Atalante, der die Thestiaden das Eberfell entrissen haben,
traurig auf einem Felsen sitzen. Mit der Rechten bedeckt
sie sich das Gesicht, wie um ihre Thränen abzutrocknen,
vgl. 219 a S. 282; die linke ruht im Schooss. Sie hat die-
selbe Gewandung wie auf der Vorderseite, und wie dort
sitzt neben ihr mit erhobenem und umgewendetem Kopf ihr
Jagdhund, nur nach der anderen Seite gekehrt. Ihr gegen-
über steht vor einem Thorbogen der sie aufmerksam be-
trachtende Meleager; er hat die Beine gekreuzt, legt die
linke Hand auf den Rücken und stützt sich mit der Rech-
ten auf einen grossen Jagdspeer. Wie auf der Vorderseite
trägt er die Chlamys, und auch die Binde im Haar ist
nicht vergessen. Vgl. den Jäger auf 164b und das dort
S. 205 über das Verhältniss zu der Meleager-Statue Be-
merkte. Soweit entspricht die Darstellung bis zu einem

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