Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

Seite: 312
Zitierlink: 
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/asr3_2/0158
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
312

MELEAGER

ß) ZWEITE (EINSCENIGE) CLASSE.

Tafel LXXXIII.

242) P. Broadlands (Hampshire), „an der dunkelsten
Ecke des Hauses'- Winter. Fig. 242. L. 2,17. H. 0,60.
Zeichnung- von H. Schenck nach einer der Qüte von
F. Winter verdankten Photographie.

Die Antiken von Broadlands sind im Jahre 1764 von Henry
TEMPLE, second VlSCOUNT PäLMERSTON (f 1802) am Ende des
18. Jahrhunderts in Italien erworben worden, diese Platte für £. 6.

Litteratur: michaelis Archaeologische Zeitung XXXII 1874
S. 13 Nr. 18; Ders. Ancient Marbles in Grcat Britain 1882 p. 2235.
nr. 21.

An der linken Ecke der Platte Fig. 242 ein Thor-
bogen, wie auf 225 — 228. 230. 233. 235. 237. Davor
Oeneus in der üblichen Tracht, nach links bewegt
und die Rechte erschreckt zum Kinn erhebend; vgl. 231.
Rechts von ihm im Hintergrund ein mit der Chlamys be-
kleideter Jüngling, der dieselbe Handbewegung macht,
eine Figur, die zwar gewiss dem Meleager auf 225—227.
230. 236. 237 nachgebildet ist, hier aber ersichtlich nicht
diesen Heros, sondern einen Trabanten des Oeneus vor-
stellen soll. Der Schrecken des Königs und seines Be-
gleiters wird ganz zweifellos durch die Erscheinung des
Orcus erregt, der eben an ihnen vorübergeschritten ist.
Dieser gleicht am meisten dem Orcus von 236, trägt
aber, wie auf 229. 231. 233. 234, ein deutliches Köcher-
band und ist von keinem Thier, weder Hund noch Löwen,
begleitet. Denn die drei im Hintergrund gestreckten
Laufes nach rechts springenden Hunde gehören augen-
scheinlich zu der vor ihm hereilenden Diana. Diese ist mit
einem gegürteten und geschürzten Chiton, der die rechte
Brust freilässt, und mit einer über die linke Schulter ge-
worfenen Chlamys bekleidet, die durch das Köcherband fest-
gehalten wird, und hat das Haar hinten zu einem Knoten
aufgebunden. In der weit vorgestreckten Linken hält sie
den Bogen, mit der Rechten ist sie im Begriff einen Pfeil
aus ihrem Köcher zu nehmen. Abgesehen von unbedeuten-
den Differenzen in der Gewandung entspricht sie also
durchaus der Diana auf 236, nur dass sie ins Profil, jene
in Vorderansicht gestellt ist. Die Göttin wird auf den
Sarkophagen dieser einscenigen Classe regelmässig an dieser
Stelle eingeschoben, gewissermassen als Ersatz für die
früher hier erscheinende Atalante, ist aber, wie bereits zu
236 S. 306 bemerkt wurde, keineswegs als Theilnehmerin
an der Jagd gedacht, selbst dann nicht, wenn sie wie hier
im Typus der Artemis von Versailles dargestellt ist, son-
dern nur als göttliche Zuschauerin, wie ja auch die Dios-
curen schon auf 230—237 und bei der ganzen zweiten
Classe mehr die Rolle von göttlichen Helfern und

Warnern als von Jägern spielen. Rechts von Diana
sieht man im Hintergrund einen mit der Chlamys be-
kleideten Jäger, der die rechte Hand auf seinen Leib
legt und den bärtigen Kopf der Göttin zuwendet. Auf
236 ist eine ähnliche Figur hinter Diana angebracht.
Die Dioscuren wie auf 236; nur halten beide in der
Linken den Speer, und über der linken Schulter des vor-
deren wird der erhobene Kopf seines Rosses sichtbar.
Meleager und Atalante sowie der Eber mit den beiden
Hunden wie auf 230—237. Ueber dem Kopf des Ebers
ein kleiner Eichbaum, vgl. 231. 240. Die Höhle scheint
nicht angedeutet zu sein. Ueber dem Eber nur ein jugend-
licher, mit Chiton und Chlamys bekleideter Jäger, der in
der Linken zwei Wurfspeere hält und mit der Rechten
einen Stein zum Wurf erhebt wie auf 233, aber im runden
Hut wie auf 236. Weiter rechts der Speerwerfer wie
auf 230. 231. 233. 236, hier mit Jagdstiefeln bekleidet,
vgl. 236. Zwischen seinen Beinen liegt der verwundete
Ancaeus in derselben Stellung wie auf 233, aber mit
jugendlichem Kopf (vgl. 228. 235. 236) und ohne Wehr-
gehäng. An der rechten Ecke der stehende Verwundete
wie auf 225. 226. 228. 230 — 237; Wehrgehäng und Schwert
sind angegeben.

Aus dem Ende des zweiten Jahrhunderts.

243) P. Rom, Pal. Mattei, im Hofe hoch einge-
mauert. Fig. 243. L. 1,85. H. 0,59 (die Maasse nur approxi-
mativ, da eine genaue Messung durch die Anbringung
ausgeschlossen ist). Abscheulich ergänzt. Zeichnung von
Eichler 1886.

Vermuthlich seit der Erbauung des Palastes im Jahre 1616 an
seinem gegenwärtigen Platz.

Abbildung: R. VENUTI ET AMADUZZI Vetcra Monumenta quae
in liortis Caclimontanis et in aedilms MattJiaeiorum asservantur III
1778 tab. 30.

Litteratur: R. Vf.nuti et Amaduzzi a.a.O. p. 58^; (Baron
DE RlESCH) Observations faites pendant im voyage cn Italic II 1781
145; Zoega App. Fol. 347 Nr. 17; Helbig a. a. O. /. 81 ss. (C);
Stephani a. a. O. S. 96 Nr. 7; Matz a. a. O. p. 77 ss. (C); Matz und
von Duhn Antike Bildwerke in Rom 1881 II S. 392f. Nr. 3241.

I )iese durch Ergänzungen arg entstellte Vorderseite
Fig. 243 steht 242 so nahe, dass es genügt die unbedeu-
tenden Abweichungen und vor allem die auf unserer Ab-
bildung leider nicht mit oenüoender Deutlichkeit hervor-
tretenden Ergänzungen aufzuzählen. Oeneus, an dem der
Kopf und der rechte Arm modern sind, stützt sich mit
der erhobenen Linken auf ein Scepter, entspricht also im
loading ...